(Bückeburg) Nicht mehr lange, dann wählen die Bürger in Bückeburg einen neuen Stadtrat und mit ihm auch einen neuen Bürgermeister/eine neue Bürgermeisterin.
Als oberster Repräsentant der Stadt und Verwaltungschef bringt dieses Amt sowohl viele Chancen, als auch Herausforderungen mit sich, die im Sinne der Stadt und Bürger gehandhabt werden sollten. Shg-aktuell nutzt daher im Vorfeld der Wahl die Gelegenheit, mit den unterschiedlichen Bürgermeisterkandidaten über Handlungsbedarfe und Potentiale der Stadt und dem gesellschaftlichen Miteinander zu sprechen.
Heute: Bürgermeister Axel Wohlgemuth (CDU).
SHG-Aktuell.de: Bitte machen Sie ein paar persönliche Angaben zu Geburtsjahr, Familienstand, Ausbildung und derzeitigem Beruf.
Axel Wohlgemuth: Ich bin 56 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Vor drei Jahren sind meine Frau Christin und ich von Cammer in die Scheier Straße gezogen.
Ich habe Verwaltung von der Pike auf gelernt. Am Anfang stand meine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt. Später kamen berufsbegleitend der Diplom-Betriebswirt und ein Masterabschluss im Hochschul- und Wissenschaftsmanagement hinzu.
Nach meiner Ausbildung war ich mehr als 20 Jahre in unterschiedlichen leitenden Funktionen an der Universität Bielefeld tätig. Anschließend war ich sechs Jahre lang Verwaltungsleiter der VHS Minden/Bad Oeynhausen mit rund 240 Beschäftigten. Seit November 2021 bin ich hauptamtlicher Bürgermeister unserer Stadt.
SHG: Wie sieht Ihre bisherige politische Laufbahn aus?
Axel Wohlgemuth: Ich hatte einfach Lust, mich für unsere Stadt zu engagieren. 2006 wurde ich erstmals in den Rat der Stadt Bückeburg gewählt. Vier Jahre später übernahm ich den Vorsitz der CDU-Stadtratsfraktion, und 2011 wurde ich zusätzlich in den Kreistag gewählt. Dort war ich zunächst Vorsitzender des Finanzausschusses und später Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Auch als Bürgermeister bin ich weiterhin Mitglied des Stadtrates.
Das Schöne an der Kommunalpolitik ist, dass man eine Stadt in all ihren Facetten kennenlernt – und vor allem ihre Menschen. Es macht Freude, später zu sehen, was man gemeinsam vor Ort tatsächlich umgesetzt hat. Und natürlich ärgert man sich auch über Fehler, die man gemacht hat. Entscheidend ist, dass man daraus lernt und es beim nächsten Mal besser macht.
SHG: Warum möchten Sie Bürgermeister bleiben beziehungsweise erneut gewählt werden?
Axel Wohlgemuth: Mir liegen die Stadt und ihre Menschen am Herzen. Ich bin in den vergangenen Jahren jeden Morgen ins Rathaus gefahren und habe mit der Verwaltung und der Politik versucht, unsere Stadt zumindest ein kleines Stück besser zu machen. Das mag jetzt vielleicht sehr einfach klingen, ist an vielen Tagen aber durchaus herausfordernd. In den vergangenen Jahren haben wir einiges nachgeholt und viel investiert: in unsere Schulen und Kindertagesstätten, in die Feuerwehr, in unsere Innenstadt und Ortsteile sowie in die wirtschaftliche Entwicklung. Aber vieles ist noch nicht fertig. Ich möchte gerne weiterhin die Verantwortung dafür übernehmen, dass aus den begonnenen Vorhaben am Ende auch gute Ergebnisse werden.

SHG: Was gefällt Ihnen an Bückeburg besonders?
Axel Wohlgemuth: Die Menschen! Bückeburg ist eine lebendige Stadt. Man trifft sich immer, denn irgendetwas ist immer los. Und damit meine ich nicht nur die Veranstaltungen rund um den Marktplatz, sondern vor allem das Leben in den Vereinen oder in den Ortsteilen. Die Menschen hier sind stolz auf ihre Stadt und viele bringen sich ehrenamtlich ein. Das bringt diese ganz besondere Lebensqualität hervor. Was ich dabei besonders schätze, ist die Nähe zwischen den Menschen. Bückeburg ist nicht anonym. Man kennt sich, spricht miteinander und hilft sich, wenn es darauf ankommt.
SHG: Wo sehen Sie in Bückeburg dringenden Handlungsbedarf?
Axel Wohlgemuth: Wie viele andere Kommunen auch, ist unsere Infrastruktur in die Jahre gekommen. Ich möchte nicht noch einmal in die Situation kommen, eine Einrichtung wie z.B. eine Grundschule kurzfristig schließen zu müssen. Wir sind zwar mit der Sanierung unserer Grundschulen schon weit gekommen, aber vor uns liegt noch eine Menge Arbeit. Unsere Kitas, Feuerwehrgerätehäuser, Straßen und Brücken werden ebenfalls nicht besser, wenn wir notwendige Investitionen weiter verschieben.
Zudem sollen wir als Kommune – so sieht es das Land Niedersachsen vor – bis 2045 klimaneutral werden. Mit der kommunalen Wärmeplanung haben wir begonnen. Künftig gilt es, ein tragfähiges Klimaschutzkonzept zu erstellen und die daraus folgenden Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen.
Gleichzeitig erwarten die Bürger zu Recht auch verlässliche Betreuungsangebote, bezahlbaren Wohnraum, eine attraktive Innenstadt, sichere Verkehrswege und eine leistungsfähige Feuerwehr.
SHG: Welche Prioritäten setzen Sie bei den städtischen Finanzen? Wo sehen Sie Einsparpotenziale und welche freiwilligen Leistungen wollen Sie schützen?
Axel Wohlgemuth: Die finanzielle Ausstattung der Kommunen durch Bund und Land ist nicht mehr auskömmlich. Als Stadt müssen wir aber auch unsere eigenen Hausaufgaben machen. Dazu brauchen wir in Abstimmung mit der Politik klare Prioritäten: für unsere Investitionen, aber damit auch für das Handeln der Verwaltung. Nur so können wir unsere Verwaltungsabläufe straffer organisieren, die interkommunale Zusammenarbeit ausbauen und einen weiteren Anstieg der Personalkosten begrenzen.
Falsch wäre es allerdings, notwendige Unterhaltung immer weiter aufzuschieben. Das spart zwar kurzfristig Geld, wird langfristig – das zeigen uns gerade unsere Grundschulen – aber meistens deutlich teurer.
Schützen möchte ich in erster Linie die Mittel, die durch ehrenamtliche Arbeit multipliziert werden. Ob Sportvereine oder Sozialverbände, diese sogenannten freiwilligen Leistungen sind keine überflüssigen Extras, sondern sorgen dafür, dass unsere Stadt lebenswert bleibt.
SHG: Wie wollen Sie die Interessen Bückeburgs beim Bahnstreckenneubau effektiv vertreten?
Axel Wohlgemuth: Meine Haltung ist da ganz klar: Der Neubau einer Bahnstrecke durch die Bückeburger Niederung ist für uns eine Katastrophe. Die Auswirkungen auf Menschen, Natur, Landwirtschaft und Landschaftsbild wären erheblich.
Wir müssen in Zukunft aber noch geschlossener auftreten – alle betroffenen Kommunen, die Bürgerinitiativen und unsere Abgeordneten in Land und Bund – müssen an einem Strang ziehen. Deshalb versuche ich gerade gemeinsam mit weiteren Bürgermeistern eine „Korridorerklärung“ über die Landesgrenze hinweg zu erreichen, die alle Kommunen an den jetzt vorgestellten Trassenkorridoren vereint. Ich erhoffe mir, dass wir damit in Berlin, aber auch in Hannover und Düsseldorf, mehr Gehör finden. Außerdem wollen wir gemeinsam mit den anderen Kommunen belastbare fachliche Argumente, eigene Gutachten und eine konsequente rechtliche Prüfung der Bahnpläne erreichen.
Genauso wichtig ist mir ein ehrliches Verfahren der Bahn. Neue Planungsstände müssen uns als Stadt und den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern frühzeitig erklärt werden. Ich lasse mich nicht mit Info-Märkten in Stadthagen abspeisen, wenn die Interessen unserer Stadt und unserer Ortsteile auf dem Spiel stehen.
SHG: Wie wollen Sie Wirtschaft, Gastronomie und Tourismus zukunftssicher aufstellen?
Axel Wohlgemuth; Unsere Innenstadt ist heute schon kein reiner Einkaufsort mehr. Sie muss daher noch konsequenter zu einem Ort werden, an dem sich Menschen gerne treffen und Zeit verbringen. Dafür brauchen wir eine gute Mischung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnen. Mit Schloss, Hubschraubermuseum, Stadtkirche und dem Harrl haben wir touristisch viel zu bieten. Als Stadt müssen wir aber weiterhin mit guten Veranstaltungen die Menschen aus der Region und Touristen zu uns einladen. Dafür sind auch weitere innenstadtnahe Parkmöglichkeiten notwendig. Eine Aufstockung der Parkpalette, die immer wieder von verschiedenen Akteuren ins Spiel gebracht wird, könnte eine solche Möglichkeit sein.
Leerständen müssen wir zukünftig noch aktiver begegnen, vor allem mit einer kreativen Unterstützung bei Zwischennutzungen und dem direkten Kontakt zu Eigentümern und Interessenten.
Bei der Wirtschaftsförderung gilt es auch künftig, unsere heimischen Unternehmen bei ihren Planungen bestmöglich zu unterstützen. Dafür müssen wir weiterhin Flächen vorhalten, die ihnen Wachstum oder eine betriebliche Neuaufstellung ermöglichen.
Mein Ziel ist es, die Gewerbesteuer in den nächsten Jahren stabil zu halten. Das gibt unseren Unternehmen Planungssicherheit und schützt unsere Arbeitsplätze vor Ort.
SHG: Wo sehen Sie Modernisierungsbedarf in der Verwaltung und wie wollen Sie Digitalisierung und Bürgerbeteiligung ausbauen?
Axel Wohlgemuth: Wir haben bereits heute eine bürgernahe und leistungsstarke Verwaltung. Anders als bei vielen Unternehmen landen die Bürger bei uns nicht in einer Warteschleife, sondern können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt anrufen oder zu den Öffnungszeiten im Büro aufsuchen. Inzwischen kann man auch vieles vom Rechner zu Hause erledigen, denn in den letzten Jahren haben wir uns auch hier einen guten Stand erarbeitet. Der Einsatz von KI steckt bei uns zwar noch in den Kinderschuhen, bietet aber natürlich viele Chancen, gerade Routineaufgaben schneller und einfacher zu erldigen. Es wird spannend, was da zukünftig möglich ist.
Als Stadt wollen wir zukünftig früher über das informieren, was bei uns passiert. Da aber immer weniger Menschen eine Zeitung haben, funktioniert dies immer stärker über digitale Plattformen. Als Stadt wollen wir hier zukünftig präsenter sein und unsere Bürgerinnen und Bürger früher und verständlicher informieren. Deswegen müssen wir mehr in die Öffentlichkeitsarbeit investieren. Dazu gehört dann sicherlich auch mehr öffentlichen Informationsveranstaltungen, einfachere digitale Beteiligungsmöglichkeiten und regelmäßige Gespräche in den Ortsteilen – gerade, wenn es dort keinen Ortsrat gibt.
Ich möchte aber noch eins klarstellen. Bürgerbeteiligung heißt für mich: zuhören, Argumente ernst nehmen und auch bereit sein, Planungen zu verändern. Sie bedeutet für mich aber nicht, schwierige Entscheidungen so lange zu vertagen, bis niemand mehr widerspricht. Wir werden als Stadt am Ende immer kontroverse Entscheidungen haben.
SHG: Klimaanpassung, Energiewende und der Erhalt der Lebensqualität müssen lokal umgesetzt werden. Welche Maßnahmen in den Bereichen Umwelt, Hochwasserschutz und Nachhaltigkeit wollen Sie zuerst anpacken?
Axel Wohlgemuth: Mit der Erstellung der Starkregengefahrenkarte haben wir die Grundlage für ein Handlungskonzept erstellt und können die besonders gefährdeten Bereiche systematisch betrachten. Dazu gehören leistungsfähige Rückhalteflächen wie zum Beispiel in der Niederung, die Überprüfung von Entwässerungssystemen durch unseren Abwasserbetrieb und die Frage, wie wir bei neuen Baugebieten mehr Regenwasser direkt vor Ort zurückhalten können. Starkregen macht nicht an Grundstücksgrenzen halt. Deshalb müssen Stadt, Grundstückseigentümer, Landwirtschaft und Wasserverbände gemeinsam handeln.
Die kommunale Wärmeplanung machen wir aktuell im Verbund mit den Kommunen um uns herum. Die Menschen benötigen Klarheit darüber, welche Lösungen in ihrem Wohngebiet realistisch sind.
Gleichzeitig geht es um mehr Grün in der Innenstadt und auf öffentlichen Plätzen. Aber dazu müssen wir erst genau wissen, wo wir mit unserer Fußgängerzone hinwollen und was Priorität haben soll. Außengastronomie, Veranstaltungen, Spielgeräte, Grünflächen und nicht zuletzt Rettungswege stehen in Konkurrenz zueinander.
Durch die Modernisierung unserer Grundschulen erreichen wir auch eine energetische Sanierung der Gebäude und eine Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien. Aber auch die anderen städtischen Gebäude müssen wir in den nächsten Jahren energetisch weiterentwickeln. Außerdem müssen wir geeignete Dächer für Photovoltaik nutzen, so wie wir es beispielsweise seit dem letzten Jahr auf dem Dach des Rathaussaals tun.
SHG: Wie würden Sie einem Fremden Bückeburg in maximal drei kurzen Sätzen beschreiben?
Axel Wohlgemuth: Schöne Stadt, super Ortsteile und engagierte Menschen mit dem Herzen am richtigen Fleck. Die Bückeburger sind zu Recht stolz auf ihre Stadt. Und ein Erntefest musst du mitgemacht haben!
(Das Interview führten Nadine Hartmann und Igor Vucinic)





