„Gute Politik hört zu, erklärt und beteiligt Menschen von Beginn an“: Sandra Schauer-Bolte tritt für die SPD zur Bürgermeisterwahl an
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(Bückeburg) Nicht mehr lange, dann wählen die Bürger in Bückeburg einen neuen Stadtrat und mit ihm auch einen neuen Bürgermeister/eine neue Bürgermeisterin.

Als oberster Repräsentant der Stadt und Verwaltungschef bringt dieses Amt sowohl viele Chancen, als auch Herausforderungen mit sich, die im Sinne der Stadt und Bürger gehandhabt werden sollten. Shg-aktuell nutzt daher im Vorfeld der Wahl die Gelegenheit, mit den unterschiedlichen Bürgermeisterkandidaten über Handlungsbedarfe und Potentiale der Stadt und dem gesellschaftlichen Miteinander zu sprechen.

Heute mit Sandra Schauer, Bürgermeisterkandidatin für die SPD: 1974 geboren in Bückeburg, verheiratet, Mutter eines Sohnes. Gelernte Zimmerin und selbstständig als Diplom-Ing. Innenarchitektur/Tischlerei.

SHG-Aktuell.de: Wie sieht Ihre bisherige politische Laufbahn aus?

Sandra Schauer-Bolte: Ich bin seit 2016 Mitglied des Stadtrates Bückeburg (Bauausschuss, Jugend und Familienausschuss, Schulausschuss) und des Kreistages Schaumburg. Seit 2021 bekleide ich zudem das Amt der SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Bückeburger Stadtratsfraktion.

SHG: Warum möchten Sie die neue Bürgermeisterin werden?

Sandra Schauer-Bolte: Ich möchte Bürgermeisterin werden, weil Politik für mich mehr ist als ein Hobby, es ist die Chance, unsere Zukunft aktiv mitzugestalten. Die Arbeit in der Kommunalpolitik ist extrem vielseitig: Gemeinsam diskutieren wir Ideen, entwickeln tragfähige Konzepte und bringen konkrete Ergebnisse auf den Weg.

Das Besondere daran ist die Nähe zur Praxis – wir sehen unmittelbar, wie unsere Entscheidungen unsere Heimat stärken. Gute Politik hört zu, erklärt Entscheidungen nachvollziehbar und beteiligt Menschen von Beginn an.
Als Bauausschussvorsitzende weiß ich: Das klassische Pflichtprogramm an Bürgerbeteiligung ist überholt. Was wir brauchen, ist echte Einbindung auf Augenhöhe –besonders für die junge Generation, um deren Zukunft es geht.

Echte Mitgestaltung nützt der gesamten Gemeinschaft. Für mich ist klar: Es ist unsere Aufgabe, den Zusammenhalt vor Ort zu festigen und das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. Dafür trete ich an – als Bürgermeisterin für alle Bückeburgerinnen und Bückeburger.

Sandra Schauer-Bolte tritt bei der Bürgermeisterwahl 2026 als Kandidatin für Bückeburg an. (Foto: vu)

SHG: Was gefällt Ihnen an Bückeburg besonders?

Sandra Schauer-Bolte: Bückeburg ist mein Zuhause und eigentlich lieb ich alles. Aber vor allem mag ich die Menschen, weil sie Stadt und Dörfer mit Leben füllen.

SHG: Wo sehen Sie in Bückeburg dringenden Handlungsbedarf?

Sandra Schauer-Bolte: Wir investieren seit 10 Jahren kontinuierlich Millionen in Kitas, Schulen und Feuerwehrgerätehäuser – und trotzdem sind wir noch nicht am Ziel.

Man muss sich das vorstellen, wie bei einem eigenen Haus: Wer ein Eigenheim besitzt, weiß genau, dass man nie fertig ist. Genauso ist es bei den öffentlichen Gebäuden unserer Stadt. Wir haben immer noch Immobilien, die schlicht in die Jahre gekommen sind und wir müssen dranbleiben, das ist notwendige Substanzpflege. Das und dafür Lösungen der Finanzierung zu suchen, ist sicherlich eine der größten Herausforderungen.

Und: Wir bauen jetzt die Herderschule für die Zwischennutzung der Grundschule am Harrl um. Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu überlegen, wie wir das Gebäude, diese Fläche in dem wunderbaren Umfeld von Kita, Hallenbad, Sportplatz und -halle in Zukunft nutzen wollen.

SHG: Die Haushaltslage vieler Kommunen ist extrem angespannt. Welche Prioritäten setzen Sie bei den städtischen Finanzen? Wo sehen Sie Einsparpotenziale und welche freiwilligen Leistungen der Stadt wollen Sie unter allen Umständen schützen?

Sandra Schauer-Bolte: Die finanzielle Lage ist für Kommunen eine gewaltige Herausforderung. Bund und Land beschließen Gesetze, die vor Ort umgesetzt werden müssen, aber leider liefern sie das Geld dazu nicht mit. Sparen wir bei den freiwilligen Leistungen, dann hat das in den meisten Fällen gravierende Folgen für die Lebensqualität und unser Zusammenleben, es wäre fatal hier zu sparen. Darum müssen wir weiterhin hartnäckig bleiben und diese einfordern. Wir müssen jedes Projekt prüfen, ob es kostengünstigere Alternativen gibt, selbst wenn sie dann nicht 100 Prozent perfekt sind.

SHG: Das Thema Bahnstreckenneubau (Hannover–Bielefeld) betrifft Bückeburg und die Region massiv. Wie wollen Sie als Bürgermeisterin die Interessen der Stadt und der betroffenen Bürger gegenüber Bund und Bahn effektiv vertreten?

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Sandra Schauer-Bolte: Das Erste, was mir Wolfhard Müller gezeigt hat, war das Ausmaß der Zerstörung, die ein Neubau der Bahntrasse in der Niederung anrichten würde. Die SPD setzt sich seit Jahrzehnten gegen diese Trassenführung ein und da sind sich alle Parteien im Rat einig. Doch am Ende zählt vor allem die Masse. Nur gemeinsam mit Bürgerinitiativen wie der BIGTAB, den Nachbarkommunen und -Landkreisen, den Bürgerinnen und Bürgern, können wir diese rücksichtslose Planung stoppen. Mit unserer SPD-Bundestagsabgeordneten Marja-Liisa Völlers haben wir dabei eine verlässliche Partnerin im Bundestag.

SHG: Die Attraktivität der Innenstadt steht durch den Wandel des Einzelhandels unter Druck. Mit welchen konkreten Konzepten wollen Sie Wirtschaft, Gastronomie und Tourismus in Bückeburg zukunftssicher aufstellen?

Sandra Schauer-Bolte: Das sind eigentlich zwei Punkte: Zur Wirtschaftsförderung gehört es ganz klar, ausreichend Gewerbeflächen bereitzustellen. Im Urbanen Gebiet Windmühlenstraße haben die Betriebe jetzt die Möglichkeit an ihrem Standort zu bleiben und weiteres wohnverträgliches Gewerbe kann sich hier ansiedeln – ein Projekt, dass ich zusammen mit der SPD bereits 2019 auf den Weg gebracht habe.

Wir sollten auch in der Kreuzbreite weiterdenken. Schon vor Jahren gab es die Idee eines interkommunalen Gewerbegebietes – also Flächen, die gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden über die Stadtgrenze hinweg entwickelt werden. Dazu gehört natürlich eine unbürokratische Wirtschaftsförderung und, gerade für die Innenstadt wichtig, ein aktives Leertands- und Ansiedlungsmanagement (auch einer unsere Anträge aus dem Jahr 2021).

Schaut man konkret auf die Innenstadt, müssen Städte das bieten, was es im Internet nicht gibt: eine unverwechselbare Atmosphäre mit einer hohen Aufenthaltsqualität. Die ersten Schritte wurden schon in den 90er Jahren gemacht und jetzt müssen wir weiterdenken: Es braucht mehr kostenfreie Sitzmöglichkeiten, Begrünung, Spielgeräte für Jung und Alt sowie die Verkehrsberuhigung in der Schulstraße/Langen Straße, aber auch ein aktives Leerstandsmanagement. Wir können doch auch wunderbar die Ideen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger mit einbinden, die im Rahmen des ISEKs entwickelt wurden.

Ein Highlight sind auf jeden Fall die vielfältigen Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit mit dem Bückeburger Stadtmarketing, Kultur und Vereinen die Stadt bereichern und Menschen in unserer Stadt ziehen.

SHG: Das Rathaus versteht sich als Dienstleister für die Bürger. Wo sehen Sie den größten Modernisierungsbedarf in der Verwaltung und wie wollen Sie digitale Angebote sowie die Bürgerbeteiligung konkret ausbauen?

Sandra Schauer-Bolte: Die Frage erweckt den Eindruck, dass die Verwaltung veraltet ist, das ist nicht so. Ich finde das Team im Rathaus leistet großartige Arbeit und hält die Stadt am Laufen. In den letzten Jahren hat sich vieles durch die Digitalisierung gewaltig verändert, da kann man nicht mit dem Finger schnippen und auf einmal ist alles digital möglich. Ich vergleiche das mit dem Handwerk, auch hier wird die Arbeit durch die Digitalisierung verändert und es braucht eine gewissen Zeit, bis alles umgestellt ist.

Außerdem bremsen auch veraltete Gesetze die Umstellung aus, zum Beispiel wenn immer noch handschriftliche Unterschriften gefordert werden.

Was aber Berufstätigen helfen würde, wären arbeitnehmerfreundliche Öffnungszeiten. Allerdings hätten wir im Bereich Bürgerbeteiligung schon weiter sein können. Die Opposition hat Anträge für Hybride und digitale Sitzungen gestellt, die leider abgelehnt wurden. Ansonsten gibt es inzwischen eine Vielzahl an Optionen der Beteiligung, beispielsweise durch online Plattformen oder Bürgerräte.

SHG: Klimaanpassung, Energiewende und der Erhalt der Lebensqualität müssen lokal umgesetzt werden. Welche konkreten Maßnahmen im Bereich Umwelt- oder Hochwasserschutz und Nachhaltigkeit wollen Sie in Ihrer Amtszeit zuerst anpacken?

Sandra Schauer-Bolte: Im Bereich Hochwasserschutz haben wir schon einiges umgesetzt: Starkregenkarte, Renaturierung der Aue, der Mühlengraben wird nicht zugeschüttet. Wo wir noch nicht so weit sind, ist bei der Entsiegelung von Flächen. Unserem Antrag wurde aber im letzten Jahr zugestimmt, also stehen wir da in den Startlöchern.

Weitere Möglichkeiten gibt es in der Wohnbebauung, zum Beispiel in der Windmühlenstraße, durch extensive Gründächer und einer dezentralen Versickerung von Regenwasser. Letztendlich ist aber auch jeder Bürger und jede Bürgerin gefragt, denn durch Steingärten und versiegelte Flächen auf dem eigenen Grundstück heizt sich die Stadt auf und Regenwasser fließt in die Kanalisation und ist damit für uns verloren.

Im Bereich Photovoltaik kann die Kommune lokalen Investoren oder Genossenschaften Dachflächen zur Verfügung stellen, die dort Anlagen installieren. Und wir haben mit der Energieagentur eine starke Partnerin in Schaumburg, die Projekte mit uns voranbringen wird.

SHG: Wie würden Sie einem Fremden gegenüber Bückeburg in maximal drei kurzen Sätzen beschreiben?

Sandra Schauer-Bolte: Viel Geschichte und Tradition und eine Hofreitschule. Viel Gemeinschaft und Zusammenhalt – vor allem durch die Vereine. Viel Lebensqualität und Natur – für die wir kämpfen.

(Das Interview führten Nadine Hartmann und Igor Vucinic)

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