Wachtelkönig: Heimlicher König findet in Schaumburg ein Zuhause
Werbung

(Landkreis / Rodenberg) Wer in einer warmen Juninacht zwischen Kleinhegesdorf, Groß Hegesdorf und Reinsdorf unterwegs ist, kann mit etwas Glück einen Vogel hören, den die meisten Menschen niemals zu Gesicht bekommen: den Wachtelkönig. Sein charakteristischer, weithin hörbarer Ruf verrät seine Anwesenheit oft lange bevor er selbst entdeckt wird. Dass dieser äußerst seltene Wiesenvogel heute noch in Schaumburg vorkommt, ist alles andere als selbstverständlich.

Eine der seltensten Vogelarten Deutschlands

Der Wachtelkönig gehört zu den seltensten Brutvogelarten Deutschlands. Bundesweit wird der Bestand auf lediglich ca. 1.200 Brutpaare geschätzt. In Niedersachsen gilt die Art stark gefährdet (vom Aussterben bedroht), der Bestand liegt bei nur ca. 100 – 200 Paaren. Die wenigen Vorkommen konzentrieren sich dabei auf wenige Regionen mit geeigneten Lebensräumen.

Vor diesem Hintergrund sind die Beobachtungen im Schaumburger Land von besonderer Bedeutung. Seit 2022 werden zwischen Kleinhegesdorf und Groß Hegesdorf jährlich etwa 2 – 3 rufende Männchen nachgewiesen. Im Jahr 2026 konnten erstmals zusätzlich drei sogenannte Rufer im Bereich Reinsdorf festgestellt werden. „Für Niedersachsen sind solche regelmäßigen Nachweise bemerkenswert“, erklärt Heike Eckert-Hormann von der Unteren Naturschutzbehörde. „Sie zeigen, dass die Landschaft in Schaumburg noch Strukturen bietet, die der Art das Überleben ermöglichen.“

Ein Vogel mit besonderen Ansprüchen

Der Wachtelkönig führt ein verborgenes Leben. Anders als viele andere Vogelarten baut er sein Nest nicht in Bäumen oder Sträuchern, sondern direkt am Boden. Dabei nutzt er bevorzugt feuchte, hohe und dichte Vegetation, die ihm Schutz vor Feinden bietet.

In Schaumburg werden die Brutplätze nach den Beobachtungen der Naturschutzbehörde in feuchten hohen Grasbeständen (z.B. Wiesen oder Randstreifen) oder in Getreidefeldern (z.B. Wintergerste, Weizen) angelegt. Eine weitere Besonderheit hat der heimliche König: Der Wachtelkönig beginnt seine Brut oft vergleichsweise spät im Jahr. Während viele andere Vogelarten ihre Jungen bereits im Frühsommer großgezogen haben, sitzen Wachtelkönige häufig im Juni, Juli und August noch auf Eiern oder führen kleine Jungvögel.

Diese Besonderheiten führen zu einem ernsten Problem: Wenn das Getreide geerntet oder die Randstreifen gemäht werden, sind die Jungvögel oftmals noch nicht flugfähig und können der Gefahr nicht rechtzeitig ausweichen. Wenn sie die Ernte- und Mäharbeiten überleben, verlieren sie mit einem Schlag überlebenswichtigen Lebensraum, z.B. ihre Nahrungsflächen, und sind wiederum bedroht.

Der Wachtelkönig. (Foto: KI-generiert; Landkreis Schaumburg)

Schutzmaßnahmen mit Augenmaß

Auf Grundlage der Nachweise hat die Untere Naturschutzbehörde deshalb eine Schutzkulisse rund um die bekannten Vorkommen in Groß Hegesdorf, Kleinhegesdorf und – neu – Reinsdorf ausgearbeitet. Ziel der Kulisse ist es, den Wachtelkönig während seiner empfindlichsten Lebensphase zu unterstützen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung möglichst gering zu halten.

Alle Grundstücksbesitzer und Bewirtschafter innerhalb der Kulisse werden dazu aufgefordert, als Mindestmaßnahme zumindest die Straßen-, Wege- und Gewässerrandstreifen und ähnliche Strukturen zwischen dem 15. Mai und mindestens dem 16. August eines jeden Jahres nicht zu mähen.

Die Behörde betont, dass diese Bereiche für den Wachtelkönig überlebenswichtige Funktionen erfüllen. Sie dienen als Rückzugsräume, Deckungsstreifen und Nahrungsflächen insbesondere für die Jungvögel, die noch nicht fliegen können. Gleichzeitig handelt es sich um vergleichsweise kleine Flächen, die in der Regel der Kommune gehören, sodass der Eingriff in die Bewirtschaftung begrenzt bleibt. Mit der Mindestmaßnahme in der Kulisse verfolgt die Naturschutzbehörde das Ziel, den Wachtelkönig während seiner empfindlichsten Lebensphase zu unterstützen, aber gleichzeitig die Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung möglichst gering zu halten.

Werbung

Neben der Mindestmaßnahme stehen jedoch auch weitere Schutzmaßnahmen zur Verfügung. Eine sinnvolle Maßnahme wäre es zum Beispiel, wenn die Wiese oder das Getreidefeld wie in der Rehkitzrettung vor den Mäharbeiten mit der Drohne nach Gelegen abgesucht wird und ein bestimmter Bereich um das Nest dann in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde gezielt von der Bewirtschaftung ausgespart werden würde. Finanzielle Verluste werden von der Naturschutzbehörde ausgeglichen.

Aber: „Alle Schutzmaßnahmen können nur funktionieren, wenn alle Beteiligten miteinander sprechen und praktikable Lösungen finden“, heißt es von Eckert-Hormann. Deshalb setzt die Naturschutzbehörde auf die enge Zusammenarbeit mit der Kommune und den Bewirtschaftern der Flächen.

Samtgemeinde Rodenberg: Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam denken

Die Samtgemeinde Rodenberg und die Gemeinde Apelern unterstützen diesen Ansatz ausdrücklich. Als Eigentümerin zahlreicher Wege- und Uferrandstreifen innerhalb der Schutzkulisse kommt ihr bei der Umsetzung eine wichtige Rolle zu. Aus Sicht der Kommune zeigt das Wachtelkönig-Vorkommen, welchen Wert die heimische Kulturlandschaft besitzt. Während die Naturschutzbehörde die fachlichen Grundlagen liefert, unterstützt die Samtgemeinde die Umsetzung auf ihren Wegen und Flächen.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Für Naturschutzbehörde und die Samtgemeinde Rodenberg und die Bewirtschafter ist die Situation in Schaumburg eine besondere Chance. Die regelmäßigen Nachweise zwischen Kleinhegesdorf, Groß Hegesdorf und inzwischen auch Reinsdorf zeigen, dass die Region zu den wenigen Gebieten Niedersachsens gehört, in denen der Wachtelkönig derzeit verlässlich vorkommt.

Damit diese außergewöhnliche Art auch künftig ihren unverwechselbaren Ruf über die Felder tragen kann, setzen die Naturschutzbehörde und die Samtgemeinde Rodenberg auf Kooperation mit den Bewirtschaftern statt auf Gegensätze.

Die zeitweise Schonung der Straßen-, Wege- und Uferrandstreifen ist dabei die wichtigste gemeinsame Mindestmaßnahme – ein vergleichsweiser kleiner Beitrag mit potenziell großer Wirkung für den Erhalt einer der seltensten Vogelarten Deutschlands. Weitere mögliche Maßnahmen sind der Einsatz von Drohnen und Stehenlassen von Altgrasstreifen oder Getreidestreifen, Mahd immer langsam und von innen nach außen, Belassen von hochwüchsigen Randstreifen oder Blühflächen.

Die Naturschutzbehörde und die Samtgemeinde appellieren hiermit an die gemeinsame Verantwortung für den seltenen Wachtelkönig und um Durchführung der Maßnahmen.

Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde: Heike Eckert-Hormann, Tel. 05721-703-1502 oder heike.eckert-hormann@schaumburg.de.

(pr)

Politische Werbung