1956 bis 2026: 70 Jahre Rogate Kirche zu Wendthagen
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(Wendthagen-Ehlen) Die Rogate Kirche zu Wendthagen wurde am fünften Sonntag nach Ostern Rogate (= Betet) benannt und im Mai 1956 geweiht, heute würde man sagen „in Dienst gestellt“. Es war vor gut 70 Jahren der letzte Kirchenneubau der ev. luth. Landeskirchen Schaumburg-Lippe und auch die letzte Gründung einer Kirchengemeinde.

Der Turm aus Obernkirchener Sandstein, das Kirchenschiff in Form einer dörflichen Saalkirche ist in klarer, kubischer Form mit rundbogigen Fenstern gebaut worden, und zwar unter Aufsicht des Maurermeisters Friedrich Hartmann. Ihm zur Seite standen viele ehemalige Bergleute, die in zum Teil ehrenamtlicher Arbeit die Kirche mit erbauten.

In der Zeit um 1953 war Wendthagen-Ehlen mit damals 1200 Einwohnern noch eine selbstständige Gemeinde mit langer Geschichte. Der Ortsteil Ehlen war damals genau 751 Jahre alt, ist heute stolze 824 Jahre alt und damit 20 Jahre älter als die Kernstadt Stadthagen. Wendthagen, einige Jahre später gegründet, zählte immerhin schon 719 Jahre, jetzt also 792 Jahre.

1953 hatte Wendthagen noch fünf Gaststätten, drei Lebensmittelgeschäfte, prosperierende Handwerksbetriebe, diverse landwirtschaftliche Betriebe, eine Wassermühle, den Steinkohlebergbau im Bückeberg, ein Kino mit 240 Sitzplätzen, einen erfolgreichen Sportverein, den Liederkranz, einen zwei Jahre alten Schützenverein und natürlich seit 1694 die eigene Schule.

Diese wurde gegründet, weil es den Kindern des Ortes nicht zugemutet werden sollte, sich zu Fuß zum Nachmittagsgottesdienst in die Sülbecker Kirche zu begeben. Das mussten aber über weitere Jahrhunderte die Konfirmanden. Sie mussten bei Wind und Wetter, ebenso wie die Kirchgänger oder die Angehörigen der Verstorbenen, zu deren Bestattung mit einer dorfeigenen prunkvollen Beerdigungskutsche (gab es bis 1962) nach Sülbeck zur Kirche.

Menschen aus Wendthagen-Ehlen gehörten damals zum Kirchspiel Sülbeck und wurden auch dort auf dem Friedhof beerdigt. Einige heute noch lebende Dörfler wurden dort getauft und haben dort noch ihre Familiengrabstätte.

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Was den Schulkindern 1953 schon seit 259 Jahren nicht zugemutet wurde, wollte nun die eingeschworene Gemeinschaft der Dorfbewohner auch nicht mehr. Ein Grundstück für den Konfirmandensaal, den Friedhof und die spätere Kirche wurde mit einem fast fertigen Haus, dem heutigen Pfarrhaus, erworben.

Schon am 3.10.1954 wurde die Kirchengemeinde Wendthagen unter Einschluss der Gemeinden Ehlen, dem südlichen Teil von Krebshagen, von Hörkamp und von Langenbruch gegründet. Es waren an diesem sonnigen Sonntag so viele Gemeindeglieder anwesend, dass der eigentlich für die feierliche Gründung vorgesehene Saal des Kinos viel zu klein war und der Gründungsakt unter freiem Himmel auf dem neuen Kirchengelände stattfinden musste.

Angst vor den steigenden Kosten hatten die Gemeindeglieder nicht. Sie gründeten einen Kirchenbauverein und spendeten neben Geld, Schlachtvieh, Getreide und weiteres. Sie übernahmen den Transport des Baumaterials und halfen den hiesigen Handwerksbetrieben. Sofern sie Rentner waren, bauten sie selbstverständlich unentgeltlich ihre Kirche mit. 1954 war bereits das Pfarrhaus sowie der Konfirmandensaal erbaut, der Friedhof angelegt und dort das alte Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der Kriege 1870/71, 1914-1918 und von 1939 bis 1945 an den südlichen Rand des Grundstücks durch die Gemeinde platziert worden. 1955 begann man in Windeseile mit dem Bau der Kirche und war schon 1956 fertig.

„Phänomenal aus heutiger Sicht“, so das Fazit von Ulrike Koller in ihrem letzten Beitrag als Ortsbürgermeisterin im Gemeindebrief der Rogate Kirche und Bernd Koller in ergänzender Überarbeitung, „es kommt also immer auf den Gestaltungswillen der Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinde an, um Projekte in Angriff zu nehmen, sie zu planen, sie umzusetzen und sie pfleglich zu behandeln. Die Schule gibt es nicht mehr, Lebensmittelgeschäfte auch nicht, nur noch einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb, eine Gaststätte und wenige Dienstleister. Die Kirche als gemeindlichen Mittelpunkt mit dem jetzigen Pastor Dirk Bangert gibt es noch. Bangert ist zur Hälfte seiner Dienstzeit auch für die Kirchengemeinde Heuerßen der Seelsorger.

Die Jahrhunderte alte Verbindung zur Kirchengemeinde Sülbeck endete und ist nur noch über den gemeinsamen Posaunenchor Sülbeck/Wendthagen gegeben. Man stellt fest, dass auch in der Landeskirche Schaumburg-Lippe mit ihren derzeit noch 45.000 Kirchenmitgliedern vieles im Fluss ist.“

(pr)

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