Kampa-Halle in Minden ist bereit für die Zukunft: Wiedereröffnung nach großem Umbau
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(Minden) Mehr als sechs Jahre sind ins Land gezogen, in denen die Bewohner der Region auf einen geliebten Veranstaltungsort – sei es für Sport, Musik oder Unterhaltung – verzichten mussten.

Im Dezember 2019 schloss die Kampa-Halle für lange Zeit ihre Pforten. Der heimische Handballverein musste seine Heimspiele woanders, eben nicht zuhause, spielen, große Hallenveranstaltungen waren in Minden überhaupt nicht möglich. Doch nun hat das lange Warten ein Ende: Schlag 14. Februar wurde die Kampa-Halle wiedereröffnet und erstrahlte zu diesem Ehrentag nicht nur im neuen Glanze, sondern auch mit verbesserten „Charakter“, denn auch ihr Innenleben und ihre Infrastruktur erfreuen sich einer Frischekur. Und wie sollte es anders sein, werden als Erste die Herren von GWD-Minden wieder Leben in die Halle bringen.

Langer und beschwerlicher Weg zur Wiedereröffnung

„Es war eine lange und in Teilen beschwerliche Baumaßnahme. Verschiedentliche Umstände haben dazu geführt, dass die Wiedereröffnung erst jetzt stattfinden kann. Das Ergebnis ist bei alledem technisch und optisch sehr ansprechend. In Bezug auf die technische Ausstattung ist die Kampa-Halle als grundsaniert und neuwertig zu bezeichnen“, zieht der Kreis als Bauherr der Maßnahme sein Fazit. Dennoch soll eine Analyse zu den Umständen, die zu den Unplanmäßgikeiten geführt haben, weiterverfolgt werden. Sechs Jahre lang wurde geplant, abgerissen und wieder aufgebaut. Ein kleiner Überblick über diese umfassende Baumaßnahme von großer Bedeutung für die Region.

Probleme mit der Halle häuften sich an

Bereits zu Beginn der 2010er Jahre mehrten sich im Rahmen von turnusmäßigen Prüfungen der Halle die Mängel im technischen Bereich sowie beim Brandschutz. Seither wurden gewisse Sofortmaßnahmen zum Abstellen der drängendsten Mängel veranlasst, blickt der Kreis Minden-Lübbecke auf die Historie zurück. Zugleich wurde eine Debatte zum Fortbetrieb der Kampa-Halle geführt – so wurde auch ein Neubau einer Multifunktionshalle an anderer Stelle in der Stadt diskutiert. „Im Jahr 2018 erfolgte eine erste Förderantragsstellung für eine Sanierung der Kampa-Halle. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt“, erinnert sich der Kreis. „Eine gutachterliche Stellungnahme aus August 2019 empfahl schließlich die Einstellung des Betriebes zum 31.12.2019. Ein Fortbetrieb wurde ohne technisches und brandschutztechnisches Gesamtkonzept als nicht vertretbar erachtet“, erklärt Dagmar Selle, Pressestelle Kreis Minden-Lübbecke, weiter. Ein herber Schlag seinerzeit für alle Beteiligten.

Bereits im Bauausschuss des Kreises Minden-Lübbecke vom 28.10.2019 wurde dabei ein Kostenrahmen von „deutlich über 12 Millionen Euro“ angegeben, um die Halle grundsätzlich zu ertüchtigen. Die Fortsetzung des Betriebes bis zum 31.12.2019 wurde gleichwohl bei Durchführung von Kompensationsmaßnahmen freigegeben (bauliche und organisatorische Übergangsmaßnahmen, die brandschutztechnische Mängel „kompensieren“. Hierzu können Brandwachen, Teilnutzungen u. ä. zählen). Im Kreistag wurde sodann am 16.12.2019 zunächst der Beschluss zum Abriss der Kampa-Halle getroffen. Das Ende des geschichtsträchtigen Veranstaltungsortes schien besiegelt. Am 31.12.2019 schloss die Kampa-Halle zunächst.

Aus dem Archiv: Ein Handballspiel in der Kampa-Halle am 29.12.2019.

Hoffnung glimmt wieder auf

Im Mai 2020 wurde sodann vom Bund eine Fördersumme von bis zu 4 Millionen Euro für die Sanierung Kampa-Halle in Aussicht gestellt. Am 15.06.2020 beschloss der Kreistag, eine neue Konzeption zum Fortbetrieb und ebenso zur Gewährleistung eines Interimsbetriebes der Kampa-Halle aufstellen zu lassen. Dann ging alles zunächst recht schnell seinen Gang: Die Auftragsvergabe an ein externes Unternehmen erfolgte im Juli 2020. Nach Durchführung von Bauarbeiten wurde der Durchführung eines Interimsbetriebes stattgegeben. Dieser erfolgte von September 2021 bis Ende Marz 2023 für den Profi-Handballsport. Im November 2021 wurde zudem vonseiten des Bundes ein Förderbescheid für die Sanierung der Kampa-Halle in Höhe von weiteren 4 Millionen Euro. Am 21.03.2022 beschloss der Kreistag schließlich die Sanierung der Kampa-Halle – ein Moment des Aufatmens, die Halle darf bleiben und erhält eine Zukunftsperspektive.

Bauzeit verlängert sich

Seinerzeit wurde ein Kostenrahmen von 16,25 Millionen Euro und eine Bauzeit bis September 2024 avisiert, erläutert der Kreis. „Während der Baumaßnahme ergaben sich inhaltliche Änderungen der Planungen unter anderem wegen geänderter Bedarfe der Nutzer“, erklärt Selle weiter. Angefasst werden mussten einige Gewerke innerhalb dieser umfassenden Baumaßnahme: Lüftungsanlagen, Elektroinstallation, Trinkwasserhygiene / Sanitärinstallation, Mess- und Regeltechnik sowie Gebäudeleittechnik, Beleuchtung, Heizung, Dachsanierung, Hallendecke, Brandalarmierung, Teleskoptribüne, Sitzschalen und Prallschutz und die Sicherheitsbeleuchtungsanlage.

Hinzu kamen diverseste Sanierungen der Bausubstanz sowie der Ausbaugewerke wie dem Trockenbau, Malerarbeiten und Bodenbelagsarbeiten. „Auf diese Weise ist ein grundsaniertes Gebäude entstanden, welches neuesten Anforderungen an Technik und Brandschutz genügt. Einzig die Außenhülle und tragende Gebäudeteile blieben unangetastet, da diese sind in ihrer Langlebigkeit nicht eingeschränkt sind. Die Außenanlagen werden nach Abschluss der Sanierung ebenso noch aufgewertet, um einen angemessenen Gesamtzustand des Areals zu erzielen“, so Selle. All dies habe jedoch wegen des Baustellenbetriebes und der aufgestellten Baucontainer nicht parallel zur Sanierung der Kampa-Halle erfolgen können. Im Zuge dessen sollen in einem ersten Schritt vermutlich noch im Jahr 2026 Abwasserleitungen auf dem Außengelänge erneuert werden. Zudem wird danach jedoch eine Aufwertung der Pflasterflächen und, im Sinne der Mobilitätswende im Kreis auch eine Ergänzung um moderne Fahrradabstellanlagen und Lademöglichen für Fahrräder und PKW ergänzt.

Verzögerungen und Störungen

Während der Sanierung ergaben sich verschiedene Verzögerungen der Baumaßnahme durch unterschiedlichste Störungen: „Negativ beeinflusst wurde der Bauablauf durch zu wiederholende Ausschreibungen, da für Gewerke zunächst keine Angebote vorlagen“, erklärt der Bauherr. Die Fertigstellung der Kampa-Halle erfolgt nun nach Abschluss aller bau- und sicherheitstechnischen Abnahmen zum 14.02.2026. Auch nach dem ersten GWD-Spiel am Samstag sollen noch kleinere Malerkorrekturen vorgenommen werden.

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Kostensteigerungen

Die veranschlagten Kosten haben seit dem Kreistagsbeschluss 2022 insbesondere durch Sondereffekte bei den Baukostensteigerungen im Zuge des Ukraine-Krieges zugenommen. „Zum Teil sind allein hierdurch Baukostensteigerungen von rund 30 Prozent eingetreten – ohne dass dafür Mehrleistungen erbracht wurden. Hinzu kamen aber ebenso zur Sanierung erforderliche Zusatzarbeiten“, konstatiert Dagmar Selle. Im Bauausschuss des Kreises am 22.02.2024 wurde ein Kostenrahmen von 22 Millionen Euro „plus X“ angegeben – die Gesamtkosten werden erst nach Abschluss aller Restarbeiten und Klärung aller Schlussrechnungen vorliegen, stellt der Kreis in Aussicht.

Die Liste ist lang: An der Sanierung der Kampa-Halle war eine ganze Reihe von Firmen beteiligt.

Die „inneren Werte“ überzeugen

Besonders im Inneren der Halle wird der Fortschritt ersichtlich: Die komplette Technik (Heizung, Lüftung, Sanitär, Klima, Elektrik) wurde grundlegend ausgetauscht. „Dieses zeigt sich in einer komplett neuen Belüftung der Halle. Die Luftqualität hat enorm zugenommen – gerade bei Großveranstaltungen. Hinzu kommt eine deutliche Verbesserung der Akustik“, erläutert der Kreis. Die Beleuchtung wurde grundlegend erneuert und bietet neben den neuesten Anforderungen des Profisports auch verschiedene Features für Veranstaltungstechniken. Gleiches gilt für die Tontechnik, die in Gänze neu ist und nunmehr modernsten Anforderungen genügt. Zusätzliche LED-Leinwände, eine neue Innenraumbestuhlung und Anpassungen zur besseren Optik sowie Einsehbarkeit der Halle erhöhen zudem den Nutzen für Veranstalter und Besucher. Hinzu kommt eine grundlegende Erneuerung der Wärmeversorgung, die auf Basis von Fernwärme wirtschaftlich und nachhaltig ist. Zum anderen sind sämtliche Heizungsverteilungen und Heizungen neu. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die Fußbodenheizung des Halleninnenraumes. Neben einem deutlichen Komfortgewinn geht damit einher, dass im Schul- und Vereinssport ein passgenaues Heizen ohne Einschalten der kompletten Lüftungsanlage möglich ist, was nicht zuletzt Energie und Geld spart.

Neben der grundlegenden Erneuerung aller Sanitärräume nebst Sanierung des kompletten Trinkwassernetzes erfolgte die Schaffung von deutlich mehr Toiletten – insbesondere von Damentoiletten, von denen es im Ursprungszustand zu wenige gab. Ferner wurden viele Behinderten-WCs installiert. Generell sei die Kampa-Halle in Abstimmung mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen zu einem Musterbeispiel an Barrierefreiheit geworden. Dazu tragen neben den angeführten sanitären Anlagen zum Beispiel ein Leitsystem für eingeschränkte Personen, eine Hörakustikunterstützung, optisch abgesetzte Hinweisschilder und Führungen, Türtaster sowie ein eigens zur Barrierefreiheit geschaffener Evakuierungsaufzug bei. Letzterer ermöglicht gehbehinderten Nutzern den Zugang zum Oberrang der Nordtribüne. Am gleichen Orte des nördlichen Oberranges wurde im Übrigen Platz für bis zu 200 weitere Stehplätze geschaffen. Im Zuge all dieser Maßnahmen wurden die neuesten Anforderungen an den Brandschutz erfüllt.

Bewirtung verbessert sich

„Einen für Veranstalter und Besucher direkt spürbaren Vorteil bringt dies nicht zuletzt bei der Bewirtung mit sich. Nachdem zuletzt im alten Betrieb lediglich noch eine Anlieferung von zubereiteten Speisen zulässig war, können nunmehr alle Gerichte vor Ort im Bereich des Süd-Foyers sowie im nördlichen OG direkt vor Ort zubereitet werden“, teilt die Pressestelle mit. Verbessert wurde in diesem Zuge auch die Zugänglichkeit der Bewirtungen, um gerade bei Halbzeit- oder Veranstaltungspausen einen effizienteren und schnelleren Betrieb zu ermöglichen.

In Summe ist die Kampa-Halle damit für die nächsten Jahrzehnte ertüchtigt, um einen zuverlässigen und vor allem zeitgerechten Betrieb auf dem modernsten Stand zu gewährleisten. „Erlebbar wird dieses gerade mit Blick auf die Anforderungen des Profisports sowie kommerzieller Veranstaltungen sein. Profitieren werden hiervon aber nicht zuletzt die ehrenamtlichen Vereine sowie der Schulsport, deren Zukunft in der Kampa-Halle ebenso auf Jahrzehnte gesichert werden konnte“, ist der Kreis sich sicher.

Bei alledem wurde die Optik der Innenräume deutlich aufgewertet, was sich durch eine Überarbeitung aller Oberflächen und ein komplett neues Farb- und Materialkonzept auszeichnet. Auch draußen hat sich die Lage verbessert: Der Parkplatz neben dem Sportlereingang mit der Zuwegung vom Bayernring weist in Zukunft zehn Behindertenparkplätze und Sonderparkplätze mit entsprechendem Ausweis aus.

Von großer Bedeutung für die Region

„Die sanierte Kampa-Halle wird in Kürze wieder ein unersetzlicher Standort des Schul- und Vereinssports sein. Zudem wird sie ab dem 14. Februar in Bezug auf den darin möglichen Veranstaltungsbetrieb ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Region abbilden“, teilt der Kreis mit. Los geht der Hallenbetrieb mit den Heimspielen von GWD Minden. Im März 2026 finden darüber hinaus bereits zwei überregionale Veranstaltungen statt. Die Schulen und Vereine werden nun ebenso alsbald in die Kampa-Halle zurückkehren. Der Kreissportbund bezieht in diesen Tagen bereits seine frisch sanierten Büroräume in der Halle.

Ab dem Sommer 2026 wird die Kampa-Halle alle Nutzer der Halle II aufnehmen, bei welcher sodann eine Boden- und Dachsanierung erfolgt. Auch die Halle II ist in den 1970er Jahren erbaut worden und weist nicht zuletzt deshalb einen Renovierungsbedarf auf“, stellt der Kreis in Aussicht.

(Text: nh, Fotos: vu)

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