(Wiedensahl) Der Wiener Comiczeichner und Illustrator Nicolas Mahler wird mit dem Wilhelm-Busch-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Jury würdigt damit einen international bekannten Künstler, der für seinen absurden Witz und seine minimalistische Zeichenkunst bekannt ist. Der renommierte Preis für satirische und humoristische Zeichenkunst und Versdichtung ist mit 10.000 Euro dotiert.
Verliehen wird die Auszeichnung alle zwei Jahre gemeinschaftlich von der Stiftung Sparkasse Schaumburg, der Schaumburger Landschaft und den Schaumburger Nachrichten. Der Preis erinnert an den in Wiedensahl geborenen Wilhelm Busch, der als Wegbereiter des modernen Comics gilt. Ausgezeichnet werden Autoren, die sich der Tradition Buschs – hohe künstlerische Qualität verbunden mit satirischer Erzählkunst – verpflichtet fühlen. Mahler reiht sich damit in eine Liste namhafter Vorgänger ein, zu der unter anderem Vicco von Bülow (Loriot), Robert Gernhardt, Ralf König und zuletzt Hilke Raddatz (2024) gehören.

Vom gescheiterten Kunststudenten zum Erfolgszeichner
Der 1969 in Wien geborene Nicolas Mahler blickt auf eine ungewöhnliche Karriere zurück. Nachdem er bei der Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie daran scheiterte, ein Wasserglas mit Löffel adäquat zu zeichnen, begann er seine Laufbahn als Autodidakt. Ende der 1980er Jahre startete er mit Comicstrips für Zeitungen, überbrückte auftragsschwache Phasen als Illustrator für Schulbücher und Wirtschaftsmagazine und schaffte schließlich den internationalen Durchbruch.
Besonders sein 2005 erschienenes Werk „L‘ art sans madame goldgruber“, eine persönliche Geschichte über seine Finanzbeamtin, markierte den Start einer stetigen Karriere. Heute sind seine Werke in 14 Sprachen übersetzt, und er besitzt eine weltweite Fangemeinde – von Europa bis Nordamerika. Seit 2024 fungiert Mahler zudem als künstlerischer Leiter der „Schule für Dichtung“ in Wien.
Die „Verwurstung“ der Weltliteratur
Einem breiten Publikum in Deutschland wurde Mahler ab 2011 durch seine Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp-Verlag bekannt. Er adaptierte Klassiker der Weltliteratur von James Joyce über Franz Kafka bis Thomas Bernhard als Comics. Mahler selbst bezeichnet diesen Prozess ironisch als „Verwurstung“ des literarischen Materials. Dabei handelt es sich jedoch nicht um bloße Parodien: Der Zeichner verleiht den Stoffen durch umfassende Recherche und neue Pointen eine eigene Spannung.
Sein Stil ist dabei unverwechselbar. „Ich denke weitaus mehr nach, als ich zeichne“, erklärte Mahler in einem Interview. Dieser Ansatz spiegelt sich in seinem minimalistischen Strich wider. Mit wenig Zeichnung transportiert er viel Inhalt, geprägt von der typischen Wiener Melancholie und einem tiefschwarzen, trockenen Humor. Seine Figuren wirken oft metaphysisch verloren, getreu dem Motto: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.

Jury lobt Aufwertung des Genres
Die Jury begründet ihre Wahl damit, dass Mahler nicht nur großartige Comics liefert, sondern auch maßgeblich zur öffentlichen Aufwertung des Genres beigetragen hat. Dank Künstlern wie ihm hat die „neue Kunst“ Einzug in die Feuilletons und Museen gehalten.
Mit der Wahl Mahlers geht der Preis zudem erstmals an einen österreichischen Künstler aus dem „Kernland der Ironie“, was die Jury auch als Aufwertung des Preises selbst versteht. Mahler hat für sein Werk bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Max-und-Moritz-Preis sowie den Preis der Literaturhäuser. Nun folgt die Ehrung im Namen Wilhelm Buschs im Schaumburger Land.
(pr)




