(Bückeburg) „Der Bahnhof in Bückeburg ist seit einigen Wochen und wahrscheinlich weit über den August dieses Jahres hinweg für Reisende nach Hannover sowie nach Minden nur eingeschränkt benutzbar“.
Mit diesem noch recht harmlosen Satz wird eine Unterschriftenaktion eingeleitet, die eine unzumutbare Situation für viele Reisende am Bückeburger Bahnhof zum Thema hat. Initiiert wurde sie vom Bückeburger SPD-Ratsherren Albert Brüggemann.

Was ist geschehen? Seit geraumer Zeit sind die beiden Fahrstühle im Bückeburger Bahnhof außer Betrieb – eine Instandsetzung beziehungsweise der geplante Neubau zieht sich. Bis dahin sind die beiden Gleise 2 und 3 nur über die Treppenaufgänge erreichbar – ein unüberwindbares Hindernis für alle Reisenden, die eben die dort verkehrenden Züge nutzen möchten. Doch von eben diesen Gleisen fahren die Hauptverbindungen nach Hannover und nach Minden ab. Wer mit dem Rollstuhl unterwegs ist, wird hier erst mal nicht mehr weiterkommen. Auch Familien mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren und generell mobilitätseingeschränkten Personen sowie Reisenden mit schwerem Gepäck wird der Zugang zu den Gleisen somit indirekt verwehrt beziehungsweise erheblich erschwert.

In der Erklärung zur Unterschriftenaktion wird weiter erklärt: „Die für Gebäude und technische Anlagen der DB zuständige Tochter „DB INFRA GO“ hat ohne vorherige, ausreichende Bekanntmachung die beiden vorhandenen Aufzüge abbauen und entfernen lassen. Begründung: Ersatz durch Neubauten an gleicher Stelle. Eine Fertigstellung der Baumaßnahme wird für August 2026 angestrebt. Diese Maßnahme bringt für ältere Reisende, Eltern mit Kinderwagen oder Fahrrädern, Gehbehinderte oder auch Reisende mit schwerem Gepäck teilweise unüberwindbare Schwierigkeiten mit sich“.
Hilfe ja – aber nur mit Anmeldung
Zwar würde die Bahn auch eine Hilfestellung anbieten – diese muss aber 48 Stunden vorher telefonisch bestellt werden, „und keiner weiß wo“, schüttelt Albert Brüggemann im persönlichen Gespräch mit dieser Zeitung verärgert den Kopf. Tatsächlich steht auf dem Informationsplakat recht verklausuliert, an welche zuständige Stelle sich gewandt werden soll – die zugehörige Nummer findet sich relativ klein gedruckt am unteren Plakatrand und ist auf den ersten und auch zweiten Blick durchaus zu übersehen. „Das kommt einem Schildbürgerstreich gleich – Flexibilität und Kundenfreundlichkeit bleiben hier auf der Strecke“, ärgert sich der Bückeburger Ratsherr. Auch die Bemühungen der heimischen Bundestagsabgeordneten Marja-Liisa Völlers, über ein Schreiben an das Verkehrsministerium die Bahn zu einem Entgegenkommen zu bewegen, seien leider nicht gefruchtet. Eine herbe Enttäuschung für den Bückeburger und alle Betroffenen.

Unterschriftenlisten liegen aus
Daher in der Unterschriftenaktion auch der eindeutige Appell: „Wir fordern die Niedersächsische Nahverkehrsgesellschaft als Lizenzvergeber daher dringend auf, schon kurzfristig für Abhilfe zu sorgen, denn auf Fahrgast- / Kundenäußerungen reagiert die „DB INFRA GO“ leider nicht“. Um diesem Begehren Nachdruck zu verleihen, werden nun Unterschriften gesammelt – die entsprechenden Listen liegen in Bückeburger Geschäften, öffentlichen Institutionen und Kirchengruppen sowie vielen Privathaushalten aus.

„Wir wollen größeren Druck erzeugen, damit sich endlich was bewegt. Und wenn wenigstens die Züge oder ein Teil davon auf Gleis 1 verlegt werden könnten, wäre schon ein Teil des Problems abgefedert“, schlägt Brüggemann einen Kompromiss vor. Die Bahn verweigerte dies bisher mit der Begründung, dass hier kein Kreuzungsverkehr möglich sei, „dabei habe ich erst vor wenigen Tagen gesehen, wie kurzfristig der Zug nach Hannover kurzfristig auf Gleis 1 umgelegt wurde. Geht also doch“, stellt Brüggemann fest.
Reisende in der Not werden kreativ
Manche Reisende würden inzwischen auf umständliche Wege ausweichen, um ihr Ziel zu erreichen: Sie fahren mit dem Zug von Gleis 1 nach Stadthagen, um dort in den Zug nach Hannover zu wechseln. „Eigentlich unzumutbar, aber was soll man machen, wenn man auf den Zug angewiesen ist und anders nicht hineinkommt“, ärgert sich Brüggemann über die Bahn. Es bleibt die Hoffnung, dass sich mit bürgerlichem Druck etwas bewegen lasse.

Noch bis etwa Mitte Februar sollen die Unterschriften gesammelt werden und dann im Anschluss der zuständigen DB-Tochter übermittelt werden – wie es dann weitergeht am Bückeburger Bahnhof, ist offen.
(Text & Fotos: nh)





