Bückeburg von Bahn-Plänen stark betroffen: Bürgermeister kündigt Widerstand an
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(Bückeburg) Jetzt ist es offiziell: Von ursprünglich 12 Streckenvarianten für die ICE-Neubautrasse Hannover-Bielefeld werden nur noch zwei Varianten in der engeren Auswahl weiter geplant.

Das Ergebnis „nach intensiver Prüfung und Beteiligung“, wie es von Seiten der Bahn heißt, dürfte die Menschen in Bückeburg und der Umgebung in einen Schockzustand versetzen. Übrig geblieben sind noch die Varianten 3 und 4. Beide würden die ehemalige Residenzstadt-Region regelrecht durchschneiden.

Die beiden Varianten haben sich laut Bahn-Planer inhaltlich in der Abwägung aus 196 Kriterien (Umwelt, Raum, Technik) sowie Kosten der Brücken- und Tunnelanteile klar gegenüber den weiteren Streckenverläufen durchgesetzt. Beide verlaufen ab Hannover auf einer Achse an Stadthagen, Bückeburg und Porta Westfalica vorbei, ehe sie sich auf Höhe von Vlotho teilen. Die V3 führt im weiteren Verlauf an Bad Salzuflen vorbei, während die V4 im Bereich Herford geführt würde. Ziel bleibe es, „die beste und verträglichste Streckenführung zu finden, die auch die Deutschland-Takt-Vorgabe von 31 Minuten Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld erfüllt“.

Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte der DB für Niedersachsen, sagt: „Wir nähern uns dem Ziel, der einen Vorzugsvariante, an. Mit jetzt noch zwei Varianten in der engeren Auswahl schaffen wir mehr Klarheit für die Projektregion und die Projektbeteiligten. Der Fortschritt im Planungsprozess ist ein gutes Signal für die Schienen-Mobilität der Zukunft in Deutschland, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Wir werden die nächsten Schritte im engen Austausch mit der Projektregion angehen.“

Am heutigen Freitag wurden Bürgermeister und Pressevertreter per Videokonferenz über die Neuigkeiten informiert. Darin gaben Ute Plambeck (Konzernbevollmächtigte Nord der Deutschen Bahn), Marvin Jekel (Projektleiter Hannover-Bielefeld) und Bahn-Pressesprecher Peter Mantik Einblicke in den aktuellen Planungsstand. Stand heute ist mit ungefähr einer Planungszeit von 10 Jahren zu rechnen, bevor es mit einem Bau losgehen kann. Auf Nachfrage erklärten die Planer auch, innerhalb der Trassenkorridore betrage die Streckenbreite etwa 15 Meter, zuzüglich weiterer Einschnitte durch möglicherweise erforderliche Dämme, Wälle oder Lärmschutzwände. In Bereichen von Tunnelein- und ausfahrten müssten die Trassen auf etwa 25 Meter aufgeweitet werden, da man die Fahrtrichtungen in getrennten Röhren führe.

In Bückeburg brodelt es nach dieser Erklärung der Deutschen Bahn

Aus dem Rathaus der Stadt Bückeburg hat uns eine Presseerklärung zu den Planungen der Deutschen Bahn erreicht. Darin macht Bürgermeister Axel Wohlgemuth aus seinem Entsetzen über die übrig gebliebenen Trassenvarianten keinen Hehl.

Nachfolgend die Erklärung im Original:

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Nachdem die Bahn zuletzt im November 2024 über den Stand der Planungen zur Ausbau-/Neubaustrecke Hannover – Bielefeld informiert hatte, wurde die Stadt Bückeburg im Kreise weiterer Kommunen und Landkreise in einer kurzfristig angesetzten und knappen Videokonferenz darüber informiert, welche Trassenvarianten im weiteren Prozess detailliert betrachtet werden sollen. Über ein Jahr war in diesem Prozess keine Bewegung für den Bereich Bückeburg zu verzeichnen, nun veröffentlichte die Bahn ihre Vorzugsvarianten.

Bückeburgs Bürgermeister Axel Wohlgemuth kündigte Widerstand gegen die Bahn-Pläne an, die Bückeburg stark betreffen würden. (Archivfoto)

Alle 12 betrachteten Varianten hätten massive Auswirkungen auf die Stadt Bückeburg und insbesondere die Varianten 3 und 4 südlich der Niederung, entlang des Rethofes und unterhalb des Truppenübungsplatzes südlich von Röcke wurden von der Stadt Bückeburg immer wieder kritisiert, da diese die schützenswerte Bückeburger Niederung als Naherholungsgebiet für alle Bückeburger Bürgerinnen und Bürger massiv durchtrennt. Durch viele Signale in vergangenen Gesprächen und durch kürzlich veranlasste Bohrungen zur Überprüfung der geologischen Situation im Wesergebirge kristallisierte sich jetzt heraus, dass genau diese zwei Varianten weiter prioritär verfolgt werden sollen. Und so war es wenig überraschend, dass die Bahn in der heutigen Videokonferenz mitteilte, dass eben diese beiden Varianten in der weiteren Planung detailliert betrachtet werden sollen.

Dies sind die beiden verbliebenen Varianten V3 und V4 in einer aktuellen Präsentation der Bahn-Planer. (Quelle: DB Infra.GO)
Mit diesen Grobkorridoren wurde anfangs geplant. (Foto: Bahn)

„Für die Stadt Bückeburg sind mit der Entscheidung, die Varianten 3 und 4 weiter zu betrachten, die schlimmsten Befürchtungen eingetreten“, erläutert Bürgermeister Wohlgemuth.

„Für die einzigartige Landschaft der Bückeburger Niederung und für das denkmalgeschützte Ensemble des Rethofes bedeutet es eine unwiederbringliche Zerstörung von Landschafts- und Kulturwerten. Leider haben die vielen Proteste, zuletzt in der öffentlichen Demonstration am 6. November 2024, bei den Planenden kein Gehör gefunden. Alle Betroffenen haben sich fortlaufend dafür eingesetzt, statt eines Neubaus einen Ausbau der vorhandenen Strecke zu verfolgen, auch wenn dadurch das Ziel einer Fahrtzeit von 31 Minuten von Hannover nach Bielefeld unter Umständen nicht erreicht werden kann. Wir werden im weiteren Verfahren mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die nun angekündigte Trassenvariante zu verhindern.“

Aufgrund der topographischen Situation wird befürchtet, dass eine Realisierung der Trasse nur unter Errichtung langer Dämme oder Aufständerungen erfolgen kann, die die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes nochmal verstärken. Im Streckenverlauf müssen u.a. die L 450, die Bestandsstrecke der Bahn sowie die Petzer Straße gequert werden. Ein Tunnel ist im jetzigen Planungsstand erst südlich der Petzer Straße vorgesehen.

(Quelle: Stadt Bückeburg)

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