(Bückeburg) Kleine Kultureinrichtungen wie das Bückeburger Museum haben oft Unterstützungsbedarf – wie gut, wenn es wohlwollende Geber gibt, die gerne aushelfen.
Denn, was viele nicht sehen: Der Museumsbestand hört nicht im Museum auf, sondern geht auf versteckten Wegen weiter. Allein 8500 Stücke Schaumburger Tracht konserviert das Museum für die Nachwelt – diese brauchen jedoch viel Aufmerksamkeit, Expertise und vor allen Dingen: Platz.
Denn die schönen roten Röcke, Krallen- und Kragenbänder, Hauben und Mäntel können nicht einfach so auf einem Bügel in den Schrank gehängt werden – zu groß die Gefahr von Fraßschäden durch Motten und des allgemeinen Verfalls. Viele Stücke werden, eingeschlagen in speziellem, säurefreiem Seidenpapier, in großen Kartons gelagert und gestapelt.

Wer einmal einen Blick in das Trachtenmagazin wirft, wird überrascht sein ob der Menge an Trachtenstücken, die hier für die Nachwelt aufgehoben werden und zu gegebenen Anlässen vom Museum gezeigt werden. Allein der Inventarisierung und Katalogisierung der einzelnen Stücke geht viel Arbeit voraus, weiß Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter zu berichten. In aufwendiger Arbeit wird jedes einzelne Stück begutachtet, falls nötig behandelt, fotografiert und liebevoll in der sogenannten „Trachtenkirche“ eingelagert, damit es über die kommenden Jahre und Jahrzehnte keinen Schaden nimmt.

Doch gerade die fachgerechte Lagerung stellt das Museum schon seit langem vor eine große Herausforderung. Neue Regale waren notwendig, um die zahlreichen Stücke ordnungsgemäß aufzubewahren – doch diese kosten natürlich Geld. Umso erfreulicher, dass sich hier mit der Schaumburger Landschaft, dem Lions Club Schaumburg und Dieter Kölling, Kölling Glas, großzügige Unterstützer gefunden haben: Insgesamt 6000 Euro haben sie für den Erwerb und das Aufstellen neuer Schwerlastenregale für das Trachtenmagazin spendiert, 13 Regalmeter sorgen nun für den notwendigen Platz, um die guten Stücke sachgemäß zu lagern. Unter anderem aus dem Investitionsprogramm für kleine Kultureinrichtungen kommt ein Teil der Zuwendung. „Ihre Trachtensammlung hier ist ein tolles Projekt und unterstützenswert“, stellt Lu Seegers, Geschäftsführerin der Schaumburger Landschaft, fest und macht direkt darauf aufmerksam, dass dieses Programm auch im kommenden Jahr glücklicherweise fortgeführt werde.
„Kultur leidet unter Geldmangel oft am meisten, das ist auch unser täglich Brot“, konstatiert Museumsvorstand Reiner Brombach. Umso mehr sei das Museum davon abhängig, „Gönner zu finden, die uns positiv zugewandt sind“. Dabei sind die Unterstützer von diesem Mal durchaus Wiederholungstäter und haben dem Museum schon oft unter die Arme gegriffen. Trotz knapper Kasse ist und bleibt das Museumsangebot, welches sich vor einigen Jahren komplett neu aufgestellt hat, kostenlos für die Besucher. Vielmehr komme durch die freiwilligen Spenden der Besucher mehr in die Kasse – eine sehr erfreuliche Entwicklung für alle im Museum. „Wir klagen nicht, aber leben immer auf Kante genäht“, so der Museumsvorstand. Umso stolzer sei man daher, dass man mit so engagierten Ehrenamtlichen und einer qualifizierten, hauptamtlichen Museumsleiterin gesegnet sei. Mit Dr. Anke Twachtmann-Schlichter zog seinerzeit große wissenschaftliche Expertise im Museum ein. Weiteres Steckenpferd, auf das das kleine Museum sehr stolz ist: „Wir können hier mit unserer Museumspädagogik auch junge Menschen begeistern – und die kommen tatsächlich freiwillig und gerne ins Museum und bringen wiederum ihre Eltern und Verwandten mit. Diese Begeisterung hängt mit dem Museum, aber auch den Menschen dahinter zusammen“, stellt Brombach hervor. Viele Preise konnte das Museum in den vergangenen Jahren für seine Arbeit erringen – „doch die Museumsarbeit kostet natürlich auch Geld, daher sind wir umso dankbarer, immer wieder Unterstützung zu erfahren“. Dem schließt sich auch Dr. Anke Twachtmann-Schlichter an: „Es ist oft schwer, immer wieder um Hilfe bitten zu müssen – umso toller ist es, dass wir immer wieder großzügig bedacht werden“.

Die aktuelle Unterstützung kommt gerade richtig, denn mit den empfindlichen Trachtenstücken wird aktuell verstärkt gearbeitet: Aktuell wird die kommende Sonderausstellung zur jungen, frühen Tracht ausgearbeitet. In Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg wird hier wissenschaftlich geforscht, im Zuge dessen werden natürlich auch die Stücke begutachtet. Für das Projekt hat das Museum jüngst 100.000 Euro Förderung von Land Niedersachsen zur Erforschung der frühen Tracht erhalten.
Die Förderung stammt aus dem Programm „Pro*Niedersachsen – Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen“ und soll besonders kleineren kulturgutbewahrenden Einrichtungen erleichtern, kulturelles Erbe zu erforschen und den Menschen zugänglich zu machen. Dabei wird die Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen wie Landesbibliotheken oder Hochschulen gefördert.
(Text & Foto: nh)





