(Petzen) So laut war es wohl schon lange nicht mehr in der Petzer Kirche: Alle Kirchenbänke waren besetzt mit Dritt- und Viertklässlern der Grundschulen Evensen und Petzer Feld, die zu einem besonderen Anlass gekommen waren: Das Niedersächsische Polizeiorchester war mit rund zwei Dutzend Musikern zu Gast, um mit den Schülern über (Cyber-)Mobbing zu sprechen – untermalt vom imposanten Spiel des sinfonischen Blasorchesters.
Die Kontaktbeamtinnen Oberkommissarin Steffi Brase und Kommissarin Christin Kidane sowie Kommissar Uwe Klusmann erzählten den Kindern die Geschichte von „Namene“, einer jungen Schülerin, die neuzugezogen ist und noch keine Freunde gefunden hat – auch weil sie ihre Mitschüler als „anders“ wahrnehmen, sich etwa über ihre bunte Kette lustig machen.

Mit kindgerechten Worten und den Blasinstrumenten des Polizeiorchesters als dramaturgische Unterstützung konnten die Kinder so erfahren, wie Namenes Mitschüler ihr den Schulalltag schwer machen. Da wird getuschelt, gehänselt, sich lustig gemacht und sogar geschubst. Die kleine Namene hat Angst und ist sehr unglücklich, als sie sogar nach einem Angriff weinend auf dem Boden liegt, machen ihre Peiniger sogar Fotos von ihr. Noch schlimmer: Sie stellen die Fotos ungefragt in die Klassen-WhatsApp-Gruppe.
Namene schämt sich, ist traurig, und macht instinktiv das Richtige: Sie wendet sich an ihre liebe Lehrerin, die daraufhin vermittelnd tätig wird. „Hilfe holen ist kein Petzen“ ist das Credo, und dank eines Anti-Mobbing-Tages kann zumindest in dieser Geschichte ein Happy End gefunden werden. Namenes Peiniger sehen ihr Fehlverhalten ein, die Mitschüler zeigen Interesse an ihrer neuen Mitschülerin und stehen ihr bei erneuten Attacken bei.

Auch Gewalt an der Seele tut weh
Dabei folgen die anwesenden Schüler gebannt den Ausführungen über Namene und ihre Mitschüler. Im anschließenden Gespräch gehen die Polizeibeamten mit den Schülern das Geschehene durch. „Traut euch ruhig, heute gibt es keine falschen Antworten“, ermuntert Klusmann die Schüler. Und diese heben fleißig die Hände und beteiligen sich motiviert an dem Austausch, der zahlreiche Erkenntnisse für die Kinder mit sich bringt. Dabei unterscheiden die Beamten zwischen körperlicher Gewalt – schubsten, treten, hauen – und der psychischen Gewalt – hänseln, auslachen, demütigen.
Die jungen Schüler können dies treffsicher betiteln und wissen um die daraus resultierenden Schäden. „Seelische Gewalt tut im Herzen weh“, so die gemeinsame Schlussfolgerung. Dass diese Verletzungen sogar in schlimmen Fällen ein ganzes Leben andauern können, schockiert dafür die Kinder umso mehr. „Denkt immer daran, wie ihr euch selber fühlen würdet. Behandle jeden so, wie du auch selbst behandelt werden möchtest“, erinnert Oberkommissarin Brase.

In Zeiten von frühem Medienkonsum, Sozialen Medien und Smartphones ist aber vor allen Dingen ein Aspekt von zusätzlicher Bedeutung: „Fotos verschicken kann auch seelische Gewalt sein! Man muss immer vorher fragen, ob man Bilder anderer Menschen zeigen darf und darf sie nicht im schlechten Licht darstellen“, erklärt Kommissarin Kidane. „Das Netz vergisst nichts. Daher achtet auch darauf, welche Bilder ihr von euch selbst im Internet zeigt“, erklären die Beamten den Kindern. Diese zeigen sich interessiert und offen für die Präventionsarbeit der Polizei und rufen alle gemeinsam: „Mobbing stopp! Hilfe top!“.
„Wir möchten, dass die Kinder stärker werden, fröhlich sind und an sich und ihre eigenen Fähigkeiten glauben“, erklären die Polizeibeamten. Anhand der kindergerechten Geschichte sollen die Kinder erfahren, dass ihnen geholfen wird, wenn sie über Probleme sprechen und wie sie gemeinsam friedvolle Lösungen finden. Doch auch das richtige Verhalten in gefährlichen Situationen soll veranschaulicht sowie die Scheu genommen werden, auch die Polizei zu verständigen.“
(Text & Foto: nh)




