(Enzen) Frank Wieggrebe, Vorsitzender der Schaumburger Schiedsrichter, brachte es im Schlusswort auf den Punkt: „Ich bin zutiefst beeindruckt von den Einblicken.“ Und das sahen die Bezirks- und Kreisschiedsrichter im voll gefüllten Vereinsheim von Schwarz-Weiß Enzen genau so.
Zum Auftakt des März-Lehrabends berichtete Lehrwart Tim Wieggrebe über die gemeinsamen Aktivitäten jenseits des grünen Rechtecks. Dazu gehört eine Dartsrunde ebenso dazu wie das Schieben der Bowling-Kugel. Angepasst an die Leistungsanforderungen gibt es ab dem Sommer eine Neuerung: Der Cooper-Test gehört ab sofort der Vergangenheit an und wird durch den Helsen-Test ersetzt.
Dann hatte der eingeladene Gast das Wort. Kevin Behrens berichtete ebenso spannend wie eindrucksvoll von den Schiedsrichter-Anforderungen auf dem Weg in den Profifußball. Und der 28-Jährige wusste nur zu gut, worüber er sprach. Mit 15 Jahren legte der Immobilien-Projektentwickler seine Prüfung ab und leitete schon zwölf Monate später Spiele im Herrenbereich. Die Freude mit der Pfeife im Mund entwickelte sich beim einstigen Flügelstürmer immer stärker – und spiegelte sich in den Leistungen wider. So stieg Kevin, der für den TuS Hasede/Hildesheim pfeift, in die Regionalliga auf und befand sich anschließend im DFB-Perspektivteam, dem zirka 42 Referees angehören.
In der Regel hat man zwei Jahre Zeit, um sich für die 3. Liga zu empfehlen. „Das ist ein Hauen & Stechen“, weiß der inzwischen in Berlin lebende Schiri mit einem Schmunzeln zu berichten. Der Aufstieg klappte, die ersten zehn Spiele sind inzwischen absolviert. Jetzt gibt der DFB seinem „Nachwuchs“ drei, vier Jahre, um sich für die 2. Bundesliga zu qualifizieren. Viele dieser Arenen sind Kevin allerdings nicht mehr fremd. So war er als Assistent beim Rheinderby zwischen Köln und Düsseldorf dabei. Sein erster Einsatz mit der Fahne in der Hand fand in Kaiserslautern statt. „Nach der Partie war ich völlig fertig. Das war die Hölle. Ich weiß wirklich nicht, wie es mit mir weitergegangen wäre, hätte ich auf der gegenüber liegenden hektischen Seite, winken müssen.“

Als Profi-Schiedsrichter ist es Pflicht, stets einen Tag vor Spielbeginn anzureisen. Körperliche Fitness, fachliche Kompetenz, stetige Verfübarkeit, solide Sprachkenntnisse in Englisch, Belastbarkeit sind ein unbedingtes Muss. Und dann hatte Kevin Behrens noch ein paar Tipps, die auch jeder Kreisschiedsrichter umsetzen kann: „Jeder Schiri ist nur so gut wie das Team. Da sollte es auch im zwischenmenschlichen Bereich passen. Für die Vorbereitung auf das Spiel sind klare Abläufe gute Voraussetzungen.“
Knifflige Videoszenen aus den letzten aktuellen Partien mit Kevin als Schiedsrichter in der 3. Liga waren „das Schmankerl“ eines höchst interessanten Abends. Da gab es Einblicke über weniger gute Empfehlungen des Linienrichters per Headset zum unglücklichsten Zeitpunkt. Auch das durfte natürlich nicht fehlen: Handspiel im Strafraum. Die lebhafte Diskussion um diese „NeverEnding Story“ war ein gelungener Abschluss einer nachhaltigen Veranstaltung.
(pr/Fotos: pr)





