Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder
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(Obernkirchen) Jedes Jahr am 2. Sonntag im Dezember geht ein Licht um die ganze Welt. Die Initiative „Weltweites Kerzenleuchten“ („Worldwide Candle Lighting“) lädt betroffene Eltern und Familienangehörige in der ganzen Welt ein, an diesem Tag ihrer verstorbenen Kinder, Enkel und Geschwister in besonderer Weise zu gedenken.

Seit vielen Jahren stellen betroffene Familien an diesem Tag abends um 19 Uhr brennende Kerzen in die Fenster ihres Hauses oder ihrer Wohnung. Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, sodass eine Lichterwelle 24 Stunden lang einmal um die ganz Welt läuft. Jedes Licht im Fenster steht für ein Kind, das verstorben ist, während der Schwangerschaft, während der Geburt, im Säuglingsalter oder in späteren Lebensphasen durch einen Unfall, eine unheilbare Krankheit oder durch Gewalt. Alle Lichter, die an diesem Abend entzündet werden, stehen für das Wissen, dass diese Kinder das Leben von Menschen erhellt haben und dass sie nie vergessen werden. Der Verlust eines Kindes stürzt die zurückgelassene Familie oft in eine schwere Krise. Die Trauer um ein verstorbenes Kind wird besonders intensiv und anhaltend empfunden. Geburtstage, Jahrestage, aber auch alltägliche Begebenheiten und Begegnungen rufen immer wieder Erinnerungen an das Kind wach und lassen den Verlust neu und schmerzlich bewusst werden.

Die Kerzen, die am 2. Advent entzündet werden, stehen deshalb auch für die Hoffnung, dass der Schmerz der Trauer das Leben der Angehörigen nicht für immer verdunkeln wird. Und die entzündeten Kerzen schlagen auch eine Brücke von einem betroffenen Menschen zum anderen, von einer Familie zur anderen, von einem Haus zum anderen, von einer Stadt zur anderen, von einem Land zum anderen. Sie versichern Müttern und Vätern, Großeltern und Geschwisterkindern, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein, sondern in einer solidarischen weltweiten Gemeinschaft verbunden sind.

Die Initiative des „Weltweiten Kerzenleuchtens“ wurde vor 24 Jahren in den USA durch eine Vereinigung verwaister Eltern ins Leben gerufen. Die Selbsthilfevereinigung „The Compassionate Friends“ war schon vor über 40 Jahren in England gegründet worden, als kirchliche Vertreter erkannten, dass sich trauernde Eltern sehr gut auch gegenseitig helfen können. In Deutschland wird die Initiative vor allem vom Bundesverband verwaister Eltern e. V. unterstützt, einem Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen trauernder Eltern.

Auch im Schaumburger „Netzwerk Sternenkind“ finden Mütter und Väter, die nach einer stillen Geburt weiter begleitet werden möchten, vielfältige Angebote und Gesprächsmöglichkeiten. Am 2. Advent laden viele Selbsthilfegruppen außerdem zu gemeinsamen Gedenk- und Trauerveranstaltungen ein. Auch in der Friedhofskapelle Obernkirchen findet jedes Jahr am 2. Adventssonntag um 12 Uhr eine Gedenkfeier für alle „Sternenkinder“ des Klinikums statt, die von Pastorin Martina Nolte-Bläcker gestaltet wird. Auch in dieser Feier werden Kerzen für die verstorbenen Kinder entzündet. Alle betroffenen Eltern und Familien, die daran teilnehmen möchten, sind herzlich willkommen. Während der gottesdienstlichen Feier gelten die Abstandsregeln und ist eine Maske zu tragen.

(von Martina Nolte-Bläcker, Klinikseelsorgerin am AGAPLESION EV. KLINIKUM SCHAUMBURG und Mitglied im „Netzwerk Sternenkind“)

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