Ein Abend ganz im Sinne von Wilhelm Busch
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(Stadthagen) Im Rahmen einer Feierstunde im Wilhelm-Busch-Gymnasium fand jetzt die Verleihung des mit insgesamt 2.500 Euro dotierten Hans-Huckebein-Preises und des Wilhelm-Busch-Preises statt. Der Hans-Huckebein-Preis ging dieses Mal an Volker Henning und Dieter Brandl. Isabel Kreitz bekam den mit 10.000 Euro dotierten Wilhelm-Busch-Preis verliehen.

Dieses war der erste Streich…..

Ob er da seine Hände wohl mit im Spiel hatte, der gute Wilhelm Busch? Man hatte fast den Eindruck, als der bekannte Autor Frank Suchland eine Laudatio hielt mit humorvollem Blick auf das eingeschickte Gedicht. Als er dann den Hans Huckebein Preisträger auf die Bühne holte, sagte dieser zur Verwunderung aller: „Ich bin es gar nicht. Mein Kollege sitzt dahinten und er hat das geschrieben. Ein bisschen erinnerte es an ein Theaterstück und wer weiß, vielleicht hat Wilhelm Buch selbst den Regisseur gespielt. Er hätte bestimmt seine Freude daran gehabt.

„Da hinten sitzt mein Kollege“. Dieter Brandl (links) klärt Laudator Frank Suchland auf.

Der Hans-Huckebein-Preis ist in diesem Jahr an Volker Henning (Mäusehochzeit) und Dieter Brandl (Das Match) verliehen worden. Für Henning ist es das erste Mal, diesen Preis verliehen zu bekommen, für Dieter Brandl nicht. Er ist ein Wiederholungstäter, denn er bekam den Preis schon 2013 und 2015. Obwohl alle Texte anonym eingereicht werden und eine fünfköpfige Jury die Gewinner anonym entscheidet ist Suchland dieser Fauxpas passiert.

Volker Henning (links) nimmt die Gratulation von Frank Suchland entgegen.

Mit dem Hans-Huckebein-Preis möchten die drei Stifter, die Schaumburger Landschaft, die Stiftung der Sparkasse Schaumburg und der Schaumburger Nachrichten, all diejenigen ermuntern und bestärken, die sich der humorvollen Sprache Wilhelm Buschs verpflichtet fühlen, aber bisher nur für die Schublade geschrieben haben.

Die musikalisch humoristische Einstimmung übernahm „Huub Dutch Duo“. Huub Dutch und Chris Oettinger schleifen ihr Publikum durch viele musikalische Genres mit einem phantastischen Gespür für die erzählerischen Wendungen und den einmaligen Sprachwitz der Bubengeschichten von Witwe Bolte über Lehrer Lämpel bis hin zu Meister Müllers gefräßigem Federvieh. Auch mit ihrem selbstgemachten „Betonkübel-Musikinstrument“ und ihrem „Betonlied“ begeisterten Sie das Publikum.

Begeisterten mit „Betonkübel-Musikinstrument“ und „Betonlied“: Das Huub Dutch Duo.

… und der zweite folgt sogleich

Ebenfalls wurde am Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen der nach dem Wiedensahler Dichter benannte Wilhelm-Busch-Preis vergeben. Seit 1997 würdigt dieser Preis die satirische und humoristische Versdichtung. Dieser Preis soll sowohl an den größten Schriftsteller oder Schriftstellerin des Schaumburger Landes erinnern, als auch all diejenigen würdigen, die sich im Geiste Wilhelm Buschs um das humoristische Schreiben und die satirische Sprachkunst verdient gemacht haben.

Laudator in diesem Jahr und Preisträger in 2017: Comic-Zeichner Ralf König.

Preisträgerin in diesem Jahr ist die phantastische Isabel Kreitz, die nicht nur „die Haare schön“ hatte, wie ihr Laudator Ralf König in seiner gereimten und sehr humorvollen Laudatio bestätigte. Laudator und ebenfalls Comic-Zeichner Ralf König hatte 2017 den Preis erhalten.

Zwei Wilhelm-Busch-Preisträger im Bild: Ralf König (von 2017) und Isabel Kreitz (re.)

Frühes Faible für Horror: Wilhelm Busch wurde erst viel später spannend

Isabel Kreitz, geboren 1967 in Hamburg, ist eine talentierte deutsche Comiczeichnerin, die bereits mehrfach mit anderen Preisen ausgezeichnet wurde. Kreitz war schon sehr früh „anders“, erzählte sie in ihrer sehr persönlichen Dankesrede. Sie war als Kind lieber in der elterlichen Wohnung, als draußen bei ihren Klassenkameraden. Sie selber fühlte sich klein, hässlich und dick und lebte ihre Gefühlswelt in Bleistiftzeichnungen aus. Dass sie schon seit frühester Kindheit ein Faible für klassischen Horror hatte, erzählte sie den Gästen eindrucksvoll mit ihren Zeichnungen im Hintergrund. Schon früh versteckte sich Kreitz hinter dem Sofa ihrer Eltern und schaute heimlich die Horrorfilme ihrer Eltern mit. Sie fand in ihren jungen Jahren auch immer irgendwo auf Dachböden oder bei einer Jugendfreundin versteckt Comics. Von Nick Knatterton bis hin zu Asterix über MAD und die Addams Family liebte sie alles besonders den klassischen Comic-Horror. Frankenstein war ihr viel lieber als die Sesamstraße.

Rund 200 geladene Gäste fanden sich in der Aula des Wilhelm-Busch-Gymnasiums in Stadthagen ein.

Sie freute sich über die Comicgeschichte auf ihrer Zahnpasta Verpackung und rannte in die Apotheke um das neue „Medizini“ Kinderheft zu erhalten, natürlich nur wegen dem Comic. Bücher über Max und Moritz hasste sie aber damals. Sie konnte Wilhelm Busch wirklich nicht leiden, wie sie in ihrer Autobiographie selbst erzählte. Er schmeckte für sie nach „alten Leuten, nach Sauerkraut und Rotwein“. Viel später erst im Leben wusste sie dann, was an Busch dran ist und holte es nach. Die Moderatorin des Abends, Sabine Steuernagel vom NDR, betonte immer wieder, wie wichtig doch das Lesen und Vorlesen mit Kindern sei. „Dann könnten sie doch auch in ein paar Jahren, als neue Preisträger oder Preisträgerinnen auf der Bühne stehen“, so Steuernagel in ihren Abschlussworten. (sk/Fotos: sk)

Von links: Ralf König, Dieter Brandl, Isabel Kreitz, Frank Suchland, Volker Henning, Sabine Steuernagel

Bildergalerie: Wilhelm-Busch-Preisverleihung 2019

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