Tag des offenen Denkmals: „Umbrüche in Kunst und Architektur“
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(Auetal/Bad Eilsen) Hinter sonst verschlossene Türen blicken, verborgene Orte aufsuchen und einen Tag lang auf den Spuren unserer Geschichte sein – beim Tag des offenen Denkmals entdeckten Besucher Werkstätten, Kirchen, Klöster, historische Villen mit Geschichte, Stollen oder sanierungsbedürftige alte Häuser. Wir stellen hier eine kleine Auswahl vor.

Das Sanierungsprojekt Harrl-Stollen

Man musste sich schon ganz schön bücken und den Eingang suchen, aber dann betrat man durch einen langen Gang eine andere Welt.“ Die Glut neu zu entfachen, statt die Asche zu bewahren“, das ist das Motto der Männer, die den Harrlstollen wieder zum Leben erwecken wollen. Der Plan, hier ein Besucherbergwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, steht. Und das würde sich auch lohnen, denn der Stollen ist sehr gut ausgebaut und geschichtsträchtig. Manch Geschichte rankt sich um den Stollen und wird auch gerne von den Männern, die den Stollen erhalten, erzählt.

Der Harrlstollen war ein Steinkohlebergwerk bei Ahnsen. Der Abbau von Steinkohle begann um 1880 auf der nordöstlichen Seite des Harrl. Der Stollen wurde während des Zweiten Weltkriegs vom Flugzeughersteller Focke-Wulf genutzt. Es war beabsichtigt, innerhalb des Stollens auf einer Fläche von etwa 300 m² die Lichtpauserei und den Flugzeugmodellbau des Betriebs unterzubringen, dieses wurde aber nicht vollständig umgesetzt. Die Anlage erhielt den Tarnnamen Disthen.

2017 wurde das Gelände, auf dem sich das ehemalige östliche Mundloch des Stollens befindet, verkauft. Es befindet sich seither mit Daniel Schmidt in professioneller privater Hand. Schmidt ist beruflich als Reviersteiger im Steinkohlebergbau tätig.

Villa Wiser in Bad Eilsen

Das Gedenken an den berühmten Augenarzt in Bad Eilsen wurde am Tag des Denkmals stil- und würdevoll vom Familie Mester aufgefrischt. Am großen Eisentor begrüßte uns schon stilecht in zeitgenössischer eleganter Kleidung Karl Mester. Beide Besitzer kümmern sich seit 10 Jahren sehr liebevoll um die Villa.

Stilvoller Empfang in Bad Eilsen.

Erbaut wurde sie 1928 durch den Augenarzt Dr. Maximilian Graf von Wiser und dessen Ehefrau Eleonore, geborene Gräfin Kanitz, die die Geldmittel zur Verfügung stellte. Die Tatsache, dass sich Jahrzehnte hindurch auch berühmte Kurgäste aus aller Welt in Bad Eilsen aufhielten, war nicht nur auf das besondere Flair des Heilbades, seine richtungsweisenden Kurmittelanlagen oder die herrliche Umgebung zurückzuführen. Nein, es lag an der speziellen Heilmethode von Graf Wiser, der im Jahre 1927 über Bad Liebenstein nach Bad Eilsen gekommen war. Zunächst allein und später mit seinem Assistenzarzt Dr. von Tippelskirch entwickelte Graf Wiser eine besondere Moorpackung, deren Rezeptur bis heute unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit gehütet wird.

Lothar Mester führte stündlich durchs Haus und erzählte die Geschichte des Hauses und ihrer berühmten Vorbesitzer. Zeigte im Wohnzimmer die schriftlichen Relikte, die aus der Zeit übriggeblieben waren. Man konnte stundenlang verweilen und den beiden Hausbesitzern zuhören und dabei verträumt durch die großen Fenster in den Garten schauen. Die liebevolle Einrichtung bewundern, oder die Geschichte, wie die Villa die beiden stolzen Eigentümer gefunden hatte, als sie vor 12 Jahren auf der Suche waren. Ganz besonders schön soll es in der Weihnachtszeit sein, verriet uns eine enge Freundin des Hauses, wenn die Hausherren den Weihnachtsbaum prächtig im Wohnzimmer schmücken.

Historische ehemalige Schlosserei Bornemann

Das Feuer brannte hell und 800 Grad heiß. Beim Hineintreten in die kleine Schlosserei hörte man die melodischen Töne des Hammers auf das heiße Eisen. Seit 12 Jahren ist die alte Schlosserei Bornemann wieder für Besucher in Betrieb. Man fühlt sich um Jahrzehnte zurück versetzt. Neben selbstgeschmiedeten Nägeln, Haken und allerlei Schönem für den Garten, was man natürlich selbstverständlich käuflich erwerben kann, darf man auch mitmachen und den Hammer schwingen.

Alle 14 Tage bis Ende Oktober ist die Schmiede noch am Wochenende geöffnet. Ganz besonders für die Kinder ist es schön, diese alte Tradition, die in Obernkirchen noch bewahrt wird, zu erleben.

Es klappert die Wassermühle Vehlen am rauschenden Bach

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (nach einem Brand) wurde die dreistöckige Wassermühle wieder aufgebaut. Die intakte Mühlentechnik, die man sich am Tag der offenen Tür anschauen konnte, funktioniert noch heute tadellos. Besitzer Winfried Brempel zeigte den Besuchern alles rund um die Vehlener Wassermühle. Von der Vorführung der Mühlentechnik bis hin zur interaktiven Ausstellung „Vom Korn zum Brot“ war hier alles auf die Besucher ausgerichtet. Es gab Brot und Getränke und schnell füllte sich der Mühlenraum. Ein idyllisches Kleinod, was wunderbar eingebettet in der Natur seine urige nostalgische Schönheit zeigt.

Historischer Großköthnerhof in Vehlen mit langer Familientradition

Der Großköthnerhof, ehemals Vehlen Nr. 13, ist seit 1686 in der 15. Generation im Besitz der Familie Meier (wegen der benachbarten Mühle „Mühlen-Meier“ genannt). Das Haupthaus wurde ca. 1559 als Zweiständerhaus errichtet und gehört damit zu den wenigen Fachwerkgebäuden im Schaumburger Land, die den Dreißigjährigen Krieg überstanden haben. Später wurde das Haus mehrfach um- und ausgebaut. So wurde 1765 das Kammerfach auf der Nordseite von Cord Heinrich Meier, 1780 der Wirtschaftsgiebel der Südseite von Albrecht Meier errichtet und um 1920 die Ostseite als Wohngiebel neu gebaut. Bis in die 1980er Jahre hinein betrieb die Familie Landwirtschaft. Heute ist die Familienbrauerei Meierhöfer dort angesiedelt und braut ihr köstliches Bier sehr zur Freude der Besucher. Unter lauschigen Kastanienbäumen laden Biertischgarnituren zum Verweilen und trinken ein.

Holger Meier zeigt auf seinen Großvater. Das Haus ist schon in langjähriger Familientradition gebaut und immer wieder umgebaut und renoviert worden.

Bad Eilsener Kurpark, ein Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts mit dendrologischen Raritäten

Rosen blühten in wunderschöner Vielfalt und die kleinen Springbrunnen tanzten mit ihren Wasserspielen. Viele Besucher verweilten auch vor der Musikmuschel im Kurpark. Um 11:00 Uhr startete das Kinderprogramm, wo sich die Kleinen schminken ließen und die größeren Kinder eine spannende Rallye durch den Kurpark machen konnten. 10 Fotos aus dem Kurpark mussten gefunden werden. Wer alles richtig hatte, auf den wartete eine kleine Überraschung. Die Erwachsenen konnten sich an der Gourmetmeile laben und den abwechslungsreichen Musikdarbietungen lauschen. Um 12:00 und 13:00 Uhr sang der Schaumburger Jugendchor unter der Leitung von Stephanie Feindt. Ab 14:00 Uhr führte die Kindertrachtengruppe ihre traditionellen Schaumburger Tänze auf. Das Konzert des Blasorchesters Krainhagen fand um 15:00 Uhr statt. Es spielte abwechslungsreich Hits von ABBA bis Filmklassiker. Wie immer ein Ohrenschmaus!

Vom Kurpark aus gingen auch die Führungen in den Harrlstollen, die den ganzen Tag über regen Zulauf hatten. Ein Informationsstand im Kurpark erklärte den Besuchern die historische Geschichte und die Zukunft des Stollens. Hier sei noch einmal an Friederich Winkelhake erinnert, der sich sehr für die Geschichte Bad Eilsen sehr eingesetzt hat. Leider verstarb Friederich Winkelhake am 29.08.2019.

Die Geschäftsführerin Dr. Lu Seegers von der Schaumburger Landschaft.

Der Denkmaltag wurde auch diesmal wieder von zahlreichen Besuchern gut angenommen. Die über 30 Denkmäler waren hervorragend ausgesucht und perfekt von der Schaumburger Landschaft organisiert. Die Geschäftsführerin Dr. Lu Seegers besuchte an diesem Tag viele Stationen und sagte: „Ich bin wieder unglaublich froh und dankbar und freue mich jedes Jahr über die vielen Helfer und die gute Zusammenarbeit.“ Und weiter: „Ein wunderschöner Tag für jeden, der einmal hinter verschlossene Türen blicken wollte“. (sk/Fotos: sk)

Galerie: Tag des offenen Denkmals im Auetal und in Bad Eilsen 2019

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