Bürgerinitiative BIGTAB fordert: „Realistische, schnell erreichbare Ziele stecken“
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Die Bürgerinititiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn in Bückeburg, Minden und Porta Westfalica (BIGTAB) hat jetzt eine Stellungnahme zum Neubau einer Bahntrasse entlang der A2, wie sie von der „Initiative Deutschland-Takt“ befürwortet wird, veröffentlicht. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Thomas Rippke, führt darin aus:

Seit längerem propagiert die „Initiative Deutschland-Takt“ den Neubau einer Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover entlang der A2-Trasse südlich des Wesergebirges und durch das Auetal. Aus Sicht von Fernreisenden und jenen, die eine visionäre Trendwende in der Verkehrspolitik fordern, ist dies durchaus nachvollziehbar und klingt verlockend. Wer sich jetzt in Minden und Porta Westfalica die Hände reibt und denkt, damit sei ein Trassenneubau – womöglich mit Tunnel durch den Jakobsberg – vom Tisch, irrt.

Ein Blick ins Portemonnaie lässt diesen Traum schnell platzen. Das Bundesverkehrsministerium (BVMI) schiebt einen milliardenschweren Investitionsstau im Bereich Schiene vor sich her, geschätzt 60 Mrd. €, hinzu kommen die Kosten für die Digitalisierung. Allein daran gemessen wirkt der jährliche Etat von 1,6 Mrd. € wie ein Witz. Ein Fachmann, als der Initiativensprecher Rainer Engel sich nicht zu Unrecht bezeichnen kann, weiß genau, dass die Kosten für ein solches Neubauprojekt immens wären. Vermutlich verliert er deshalb auch kein Wort darüber.

Ein kompletter Neubau würde zudem den vertretbaren Rahmen der Verhältnismäßigkeit sprengen, weil nur eine verschwindend kleine Gruppe davon profitieren würde. Denn eines ist klar: Der Engpass für den Schienenverkehr durch die Zweigleisigkeit zwischen Wunstorf und Minden bliebe bestehen. Pendler und Güterverkehr hätten kaum Nutzen von einer superschnellen Fernbahn, Anwohner würden weiterhin vergeblich auf bessere Gleistechnik und Lärmschutz warten. Der Beseitigung eben dieses Engpasses wurde 2016 im Bundestag mehrheitlich dem Bundesverkehrswegeplan zugestimmt. Darin wurde der Ausbau und/oder Neubau jenes Teilstücks von vorrangigem Bedarf beschlossen. Wäre ein kompletter Neubau entlang der A2 – wie von Herrn Engels und zuletzt auch Staatsekretär Enak Ferlemann favorisiert – damit noch zu rechtfertigen, zumal er um ein Vielfaches mehr kosten würde?

Auch aus ökologischer Sicht ist dieser Neubauplan kein Heilsbringer: In unserer ohnehin von Verkehrsadern durchschnittenen Landschaft käme eine weitere Schneise und einige Tunnel hinzu, denn die Schienenführung kann nicht überall der Autobahn folgen. Das gibt auch Rainer Engel zu. Der Flächenverbrauch würde in jedem Fall einen Korridor von 60-70 m bedeuten, in Bauzeiten erheblich mehr.

Die Zeit für eine Verkehrswende drängt, daran erinnern unsere Kinder und Enkelkinder uns mit jedem Schulstreik-Freitag. Die großen Hürden und die vielen unbeantworteten Fragen zu einem kompletten Trassenneubau entlang der A2 würden die Umsetzung auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Wer nicht nur den Komfort der weniger Fernreisenden erhöhen möchte, sondern wirklich etwas „Pro Bahn“ und damit für die Umwelt tun will, muss sich realistische, schnell erreichbare Ziele stecken. Ein Zubau von zwei Gleisen entlang der bestehenden Trasse ab Minden wäre kostengünstig und zeitnah umsetzbar. Anrainer-Kommunen und die Bürgerinitiative BIGTAB würden einen solchen Ausbau unterstützen.

Die BIGTAB-Jahreshauptversammlung findet am 10.5.2019 in dem Hotel Restaurant Grossen Klus, Am Klusbrink 19, 31675 Bückeburg ab 19:00 Uhr statt.
Die Veranstalter erwarten hinsichtlich der Diskussionen um die A2-Trassenvariante eine spannende Versammlung. (pr)

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