Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 vorgestellt
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Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2018 veröffentlicht. Frank Kreykenbohm, Leiter der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, erklärt: „Die in 2018 registrierten 8.457 Straftaten stellen den niedrigsten Wert der letzten 30 Jahre dar und bestätigen den Trend zurückgehender Kriminalität auch in unserem Zuständigkeitsbereich. Bei einem ohnehin vergleichsweise geringen Kriminalitätsaufkommen in der Region, hat sich die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Schaumburg noch einmal deutlich reduziert, was sich hoffentlich auch positiv auf das subjektive Sicherheitsgefühl auswirkt. Umgerechnet auf 100.000 Einwohner wurden 5.408 Straftaten begangen (sogenannte Häufigkeitszahl). Im gesamten Land Niedersachsen liegt die Zahl bei 6.362 Straftaten je 100.000 Einwohner. Damit kann die Kriminalitätsbelastung im Landkreis Schaumburg nach wie vor als erfreulich gering bezeichnet werden.“

Aufklärungsquote

Ungeachtet eines leichten Rückgangs von 1,45 % gegenüber dem Vorjahr bleibt die Aufklärungsquote im Landkreis Schaumburg mit 61,03 % weiterhin stabil auf einem vergleichsweise hohen Stand.

Materielle Schäden

Die Gesamtschadenssumme durch Straftaten im Landkreis Schaumburg lag im Jahr 2018 bei 6,65 Millionen Euro. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um etwa 660.000 Euro dar, allerdings sind die psychischen Belastungen, die bei den Opfern von Raub oder Wohnungseinbruchsdelikten entstehen, häufig gravierender als die materiellen Schäden.

Tatverdächtige

Die Polizei hat im vergangenen Jahr insgesamt 4.056 Personen als Tatverdächtige ermitteln können. Von diesen waren 3.124 männlich (77,02 %) und 932 weiblich (22,98 %). Unter den Tatverdächtigen befanden sich 89 Kinder im Alter von 8-14 Jahren (2,19 %) und 359 Jugendliche (8,85 %) im Alter von 14 – 18 Jahren. Damit ergibt sich insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität eine deutlich geringere Belastung dieser Altersgruppe (- 17,73 %).

Deliktsgruppen

Die begangenen Straftaten werden in der Kriminalstatistik nach Deliktsgruppen geordnet. Die Verteilung im Jahr 2018 gestaltete sich wie in der Grafik abgebildet. Nach wie vor machen der einfache und schwere Diebstahl mit fast 38 % aller bekannt gewordenen Straftaten den größten Anteil aus. Die Anteile der Deliktsgruppen am Gesamtaufkommen haben sich im Vergleich zum Vorjahr so gut wie nicht verändert.

Weniger Straftaten gegen das Leben

Die Anzahl der Straftaten gegen das Leben ist im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr von acht auf fünf Taten gesunken. Darunter findet sich auch ein Morddelikt.

Anstieg von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Die Anzahl der Sexualdelikte ist im Jahr 2018 leicht von 91 auf 100 Taten angestiegen, was aber auf eine geänderte statistische Erfassung zurückzuführen ist. Mit Einführung des § 184i StGB (Sexuelle Belästigung) wird nun ein Delikt gezählt, welches zuvor lediglich als „Beleidigung“ (auf sexueller Basis) gewertet wurde. Das Aufkommen an Sexualdelikten liegt leicht oberhalb des mittleren Aufkommens der letzten 10 Jahre. Die Aufklärungsquote im Bereich der Sexualdelikte beträgt 81,32 %.

Anstieg von Rohheitsdelikten

Hierunter versteht man Körperverletzungsdelikte, Raubstraftaten und Freiheitsberaubung. Die Anzahl dieser Delikte betrug im vergangenen Jahr 1.247 Fälle, was eine Zunahme um 26 Fälle oder 2,1 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich beträgt 90,54 %.

Gewalt gegen Polizeibeamte

Die Zahlen der Inspektion sehen wie folgt aus (wegen der geringen Fallzahlen ist an dieser Stelle die gesamte Inspektion mit beiden Landkreisen dargestellt):

Dazu Polizeipräsident Uwe Lührig: „Besorgniserregend ist der Blick auf die weiterhin auf hohem Niveau stagnierende Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und –beamte. Im Jahr 2018 sind in 393 Fällen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Opfer von Gewalt geworden. Davon waren 25 vorübergehend nicht mehr dienstfähig und fielen insgesamt 589 Tage aus. Der sinkende Respekt verbunden mit steigender körperlicher Aggressivität ist für mich absolut unverständlich, insbesondere weil auch die Hemmschwelle gegenüber Rettungskräften sinkt. Im Bereich der PD Göttingen wurden 35 Retter angegriffen, neun Taten mehr, als im Vorjahr. Dass hier eine Berufsgruppe angegriffen wird, die Bürgerinnen und Bürgern zur Hilfe kommt finde ich besonders verwerflich“.

Kreykenbohm ergänzt: „Bei dem vergleichsweise geringen Straftatenaufkommen von 38 Fällen und einem Rückgang von 20 Taten (35 %) gegenüber dem Vorjahr darf aber nicht übersehen werden, dass insgesamt 79 Polizeibeamte der hiesigen Inspektion (Vorjahr 122) Opfer einer solchen Straftat während ihrer Dienstausübung geworden sind. Darüber hinaus gab es zahlreiche Begebenheiten, bei denen es den Beamtinnen und Beamten in Konfliktsituationen gelungen ist, durch besonnenes und deeskalierendes Einschreiten derartige Fälle zu verhindern.“

Diebstahlskriminalität

Die Anzahl der einfachen Diebstähle ist im vergangenen Jahr mit 1.350 Delikten im Vergleich zum Vorjahr (1.418 Delikte) erneut deutlich gesunken. Die Aufklärungsquote von 42,96 % liegt im normalen Bereich des Mittelwerts der letzten 10 Jahre (43,68 %). Bei den schweren Diebstählen sanken die Fallzahlen auf einen 10-Jahres-Tiefststand von 1.177 Taten.

Die Aufklärungsquote im Bereich des schweren Diebstahls beträgt 19,88 %, sie liegt damit knapp unter dem Landesdurchschnitt von 21,28 %.

Der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, Kriminaldirektor Thorsten Walter: „Die Aufklärungsquote beim schweren Diebstahl zu verbessern ist eines unserer Ziele. Zu diesem Zweck setzen wir unsere vorhandenen Kriminaltechniker vornehmlich in diesem Deliktsbereich ein, um durch eine möglichst optimale Spurensuche Hinweise auf die meist unbekannten Täter zu erlangen. Sehr positiv zu bewerten ist in diesem Zusammenhang auch die deutliche Reduzierung der Auswerte- bzw. Analysezeiten im Landeskriminalamt Niedersachsen. Dort werden die hier gesicherten Spuren durch Sachverständige und Wissenschaftler untersucht.“

Wohnungseinbruchdiebstahl

In allen Dienststellen der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg steht die Entwicklung des Wohnungseinbruchdiebstahls unter besonderer Beobachtung. War im Jahr 2017 noch ein leichter Anstieg der Fallzahlen um 11 Delikte zu verzeichnen, konnten die getroffenen Maßnahmen einen deutlichen Rückgang um 77 Fälle bewirken. Das Aufkommen an Wohnungseinbruchdiebstählen liegt nun wieder nahe dem 10-Jahres-Tiefstwert aus dem Jahr 2011.

Polizeipräsident Uwe Lührig: „Durch das konzeptionelle Vorgehen der Polizeidirektion Göttingen im Bereich des Wohnungseinbruchs und dem damit verbundenen umfangreichen Maßnahmenpaket ist es uns gelungen, die Anzahl der Straftaten auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren zu senken (1.426 Taten) und gleichzeitig die Aufklärungsquote auf einen 10-Jahres hoch zu steigern (29.94 %). Bei den vollendeten Wohnungseinbrüchen liegt die Aufklärungsquote sogar bei 35,38 % und damit um fast 6 % höher als im vergangenen Jahr.“

Kreykenbohm ergänzt: „Vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen zu Beginn des Jahres 2017 hatten wir unsere Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen sowie die Ermittlungs- und Präventionsaktivitäten noch einmal intensiviert. Entsprechende Ermittlungserfolge und Festnahmen von Tatverdächtigen auch aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung haben dazu geführt, dass sich die Anzahl der Wohnungseinbrüche nun wieder auf einem Niveau recht niedrigen Niveau bewegt. Diese Entwicklung zeigt, dass unsere Maßnahmen Wirkung entfaltet haben. Dies gilt es in diesem Jahr zu verfestigen. In etwa 1/3 der Fälle scheitert der Täter beim Versuch, in die Wohnung einzudringen und gibt auf. Von daher lohnen sich Investitionen in Sicherungstechnik.“

Die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruchdiebstahl im LK Schaumburg beträgt 43,00 % (+ 19,17 %) und liegt damit weit oberhalb des Landesdurchschnitts von 24,89 % und noch deutlicher über dem Bundesdurchschnittswert von 17,8 %1 (2017 / Daten für 2018 noch nicht erhältlich). .

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Die Anzahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte liegt mit 2.021 Taten leicht oberhalb des Durchschnitts der letzten 10 Jahre (2.121).
Kein anderes Deliktsfeld bringt derart viele Erscheinungsformen hervor wie der Betrug. Das Spektrum reicht hier von der vermeintlichen Bagatelle „Schwarzfahren“ über angebliche Kontrolleure von Rauchmeldern, falsche Polizeibeamte bis hin zum Wirtschaftsdelikt „Kapitalanlagebetrug“.

Die Aufklärungsquote bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten von 69,67 % belegt allerdings auch, dass nach wie vor die meisten Delikte aufgeklärt werden. Allerdings dürften die registrierten Fallzahlen aufgrund des vermuteten Dunkelfeldes nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kriminalität auf diesem Sektor abbilden. Im vergangenen Jahr gab es wieder sehr häufig Anrufe bei älteren Menschen durch falsche Polizeibeamte, die durch Vorspiegelung falscher Tatsachen versuchten, die Angerufenen zur Herausgabe von Bargeld und Wertgegenständen zu veranlassen. Bedingt durch die mittlerweile recht hohe Sensibilität in der Bevölkerung kam es zu einem erheblichen Anzeigeaufkommen, welches sich auch in der Statistik niederschlägt.

Cyberkriminalität

Die Betrugskriminalität ist vielfach auch mit der Nutzung des Internets verbunden. Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, um auf kriminellem Wege Gewinne zu generieren, sind umfangreich und können an dieser Stelle nicht ansatzweise beschrieben werden. Die Anzahl der registrierten Fälle von Cyberkriminalität geht das vierte Jahr in Folge zurück. Es ist allerdings von einem sehr hohen Dunkelfeld auszugehen, welches zukünftig durch die Ermittlungseinheit Cybercrime (EE CC) aufgehellt werden könnte.

„Wir haben zur Optimierung der Bekämpfung der Cyberkriminalität bereits im Jahr 2017 eine Ermittlungseinheit Cybercrime (EE CC) eingerichtet, die sich vorrangig mit der Bekämpfung dieses Deliktsbereiches beschäftigt. Vor wenigen Tagen konnten wir in einem Auswahlverfahren einen neuen Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation im IT-Bereich gewinnen, welcher künftig die Ermittlungen unterstützen wird“, so Walter.

Betäubungsmittelkriminalität

Im Jahr 2018 wurden durch die Beamtinnen und Beamten der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg 488 Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zum Abschluss gebracht (2017: 552). Dies entspricht einem Rückgang um fast 13 %. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt mit ca. 97,96 % traditionell auf einem sehr hohen Niveau (Land Niedersachsen: 93,61 %), wobei die Dunkelziffer allerdings auch sehr hoch sein dürfte.

Jugendkriminalität

Der 10-Jahrestrend weist einen deutlichen Rückgang der Jugendkriminalität aus. So ist nach einem kurzfristigen Anstieg im Jahr 2016 in den vergangenen beiden Jahren die Anzahl der durch Minderjährige begangenen Straftaten im Vergleich zum Vorjahr erneut um 94 Taten auf 505 Fälle gesunken.

Dazu Walter: „Diese Zahlen belegen aber auch, dass die deutliche Mehrheit der Jugendlichen die Gesetze respektiert und keine Straftaten begeht. Der erneute Rückgang der Jugendkriminalität ist vornehmlich zurückzuführen auf eine geringere Anzahl an Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigungen und Betäubungsmitteldelikten.“

Schwerpunktsetzung 2019 laut Walter: „Ungeachtet der positiven Entwicklungen im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls werden wir hier weiterhin einen Schwerpunkt setzen, mit dem Ziel die bekannt gewordenen Taten aufzuklären und neue Delikte zu verhindern. Ein zweiter Schwerpunkt wird bei der Bekämpfung der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen gesetzt, hier insbesondere durch Weiterentwicklung der vorhandenen Präventionskonzepte sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit den Bankinstituten.“

(Quelle Text & Grafik: Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg)

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